Größenwahn


Wenn der Fußballgott (nicht der 11er-Hofmann aus Wien-West, sondern jener, der vorab der Geburt entscheidet ob aus den Stängeln unterhalb des Beckens reine Gehinstrumente oder gefühlvolle Bananenschlenzer werden) einen nicht mit Talent segnet, so ist das grundsätzlich Schade. Schätzungen zur Folge passiert das fast 70.000 neugeborenen Österreichern jedes Jahr. Jene, die dieses Schicksal erteilt, und trotzdem aus ihren ballunliebenden Haxen etwas machen, agieren in der Unterzahl. Sie sind Ausnahmeerscheinungen. Kämpfer. Sich gegen die ballverherrlichende Zunft durchsetzende Arbeiter. Arbeiter wie Stefan Maierhofer.

Dann kannst du dich als Kicker im Himmel wähnen. Egal ob im deutschen Zweitliga-, englischen Premier League- oder österreichischen Bundesligahimmel. Leistung ohne per se vorhandenem Talent bleibt Leistung. Diese zu überschätzen, ist allerdings fahrlässig. Denn aus nichts viel zu machen und selbst das noch überbieten zu wollen, grenzt an Größenwahn. Siehe Maierhofer. Warum? Erklärung folgt.

Er war (oder ist) ein einfacher Bursch. Aus einer Gastwirtschaft im tiefsten Niederösterreich stammend arbeitete er sich hoch. Erfolgreich, denn: Über Umwege gelangte Stefan Maierhofer in die deutsche Regionalliga zu den Bayern Amateuren. Was folgte, war eine Geschichte des Erfolgs sondergleichen. 10 Tore in 28 Spielen für Bayerns B-Team, über TuS Koblenz und SpVgg Greuther Fürth zum österreichischen Traditionsklub SK Rapid Wien. 28 Tore in 49 Spielen, eine Hausnummer. Kann man sich durchaus auf die Visitenkarte drucken lassen. International für Aufsehen gesorgt verpflichtete man den „Langen“ trotz jeglich fehlender fußballerischen Fähigkeiten für die Premier League – für nicht zu verachtende, jedoch geschätzte, zwei Mille Euro.

Durchsetzungsschwierigkeiten hin, Engagement bei Bristol City her – es ging zu den „Zebras“ nach Duisburg. Nicht die übelste Adresse, aber zu wenig. Daher: Wenig später die Unterschrift bei Red Bull Salzburg, was ein Raunen im österreichischen Expertendschungel ebenso wie einen empörten Aufruf unter den ehemals geliebten Hütteldorfern mit sich zog. So weit so gut. Nur: Maierhofer machte in bisher 32 Spielen 10 Tore, verordnete damit Ruhe unter den Kritikern. Bis zum 6. Mai 2012: Da schoss Stefan Maierhofer das nicht nur Spiel- sondern wohl auch Meisterschaftsentscheidende 1:0 an seiner alten Wirkungsstätte gegen seinen alten Arbeitsgeber gegen seine alten Verherrlicher.

Warum diese Aufzählung? Weil bis zu diesem Punkt eigentlich alles gut war. Oder auch wäre, wenn da nicht die Maierhofer’schen Nebengeräusche mittönen würden. Sicherlich, man ist diese gewohnt. Ein Maierhofer ohne Ansage ist kein Maierhofer.

Der eigentliche Skandal manifestiert sich nicht in einem saudummen Rempler gegen Königshofer, auch nicht in einem höchst gemeinen Ellbogencheck gegen Pichler, ebenso wenig in einem absichtlichen (!?) Handspiel, noch weniger in einem für Emotionen sorgenden Entscheidungstor. Die wahre Frechheit zeigt sich, dass Maierhofer Rapid-Goalie Königshofer im Weg und Defensivmann Pichler gar nicht gesehen haben will. Und damit nicht genug…

Wie gewohnt, setzt Maierhofer das Sahnehäubchen oben drauf, als hätte er im Elternhaus gerade eine Schwarzwälder-Kirsch garniert. Eine öffentliche Entschuldigung von Rapid ob der „Sohn einer Hure“-Gesänge muss her. Zufriedengestellt? Nix da. Maierhofer plaudert auch fröhlich von angeblichen Droh-SMS, die er vor dem Spiel erhalten hat: Gegenüber dem ORF erklärte Maierhofer, seine Übermotiviertheit in diesem Spiel wurde von Rapid-Seite mit Droh-SMS erzeugt: „Das ist Fußball, da geht’s zur Sache, das ist ein Männersport. Und wenn dann auch noch von der gegnerischen Seite SMS kommen, dass gewisse Spieler von uns aufpassen müssen, sonst werden sie umgehackt, dann darf ich mich nicht beschweren, wenn ich am Feld auch mal eine mitbekomme.“ Kulovits, der ewige 6er-Ersatz bei Rapid, wars, so gibt er zumindest gegenüber der Krone zu.

Er mag ein armes Würstel sein. Vielleicht, weil man ihm Szenen von diversen Länderspielen zu oft vorgespielt hat. Oder seine Leistungen in Österreich bewusst verkannt wurden, weil es ja nicht sein kann, dass einer, der eigentlich nichts kann, durch Fleiß und Tüchtigkeit Erfolg hat. All jenen hat er es gezeigt. Mit Leistung, mit Einsatz und mit Durchsetzungsvermögen. Das muss man ihm hoch anrechnen.

Sich aber nun – angelangt auf dieser Ebene des andauernden Erfolgs – zahlreiche Nebenschauplätze zu eröffnen, an jenen man dem Gegenüber feuchtfröhlich ans Bein pinkelt und das nur, weil man es des Erfolgs wegen kann, grenzt an Größenwahn. Er hätte sein Tor gegen Rapid machen, Danke sagen und in Salzburg getrost Meisterfeiern feiern können. Man hätte ihn dort lieb und in Wien nicht gehasst. Doch er sucht mehr, als nur den Erfolg. Er benötigt die Aufmerksamkeit. Jene, die er wegen seiner nicht für denkbar zu erachtenden Erfolge sowieso schon überstrapaziert hat.

Das „Denkmal“ Maierhofer, dass er sich mühsam Dank seiner Leistungen aufgebaut hat, demontiert selbiger – auf Grund seiner Unfähigkeit seinen Status einzuschätzen – ebenso mühsam wieder. Der Größenwahn zerstört sein aufgebautes Bild. Mittlerweile verwendet er seine Kämpfernatur nicht mehr nur für sportliche Belange…Schade, aber wahr!

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~ von hofaj - Mai 9, 2012.

2 Antworten to “Größenwahn”

  1. „Tiefstes Niederösterreich“…naja… 😉

  2. […] lieber Bloggerkollege und Facebook-Freund hat in seinem Beitrag >>”Größenwahn” den Ex-Rapid-und-jetzt-Red-Bull-Salzburg-Stürmer Stefan Maierhofer sowohl gelobt als auch […]

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