Der „FIFA-Agent“


Spielervermittler und -agenten sind wohl einer der wichtigsten wie auch zugleich verborgensten Persönlichkeiten im Fußball. Ich wurde vor zwei Wochen von einem dieser Spieleragenten kontaktiert – eine Geschichte über Hoffnung, Ernüchterung und kein Happy End…

Mein Facebook-Account meldet eine neue private Nachricht, der Absender ist ein gewisser Thomas Salamon und trägt den FIFA-Schriftzug in seinem Profilbild. Hut ab, der Mann muss entweder wichtig oder mutig sein!

Thomas Salamon nimmt als vermeintlicher Spielervermittler Kontakt auf
Die Lage scheint klar, der gute Mann rekrutiert und verteilt junge Spieler im Mutterland des Fußballs unter interessierten Klubs. Die große Karriere kostet läppische 500 britische Pfund für eine medizinische Versicherung und wird gestützt von einer 0815-Mailadresse, aber auch von seinem Namen platziert auf der FIFA-Homepage.

Natürlich, die Aufmachung der Kontaktaufnahme bzw. deren Medium erscheint fraglich, ebenso wie die Beeindrucktheit des Agenten von meinem Profil – welches außer einen Haufen Kommentare zum Thema Fußball und ein paar Bildern eher wenig auf einen halbwegs tauglichen Fußballer schließen lässt. Noch dazu, wo sich meine fußballerischen Höhepunkte de facto darauf beschränken, dass Dirk Stermann versuchte mir bei einem Charity-Spiel am Sportclubplatz den Ball wegzugrätschen.
Aber unter uns: Wer würde ernsthaft die – selbst wenn nur theoretische – Möglichkeit verstreichen lassen, sich selbst in die Premier League zu transferrieren?

Etwas skeptisch hake ich nach, bekomme prompt eine Antwort. Hier ein Auszug daraus: „I want you to know that I’m a FIFA LICENSED Agent that’s why i added the link to confirm my Registration with FIFA.
24 is not a criteria as long as you can handle the ball very well on the field of play i assure you a Contract here in England. If you start professionally at your age, i assure you that you will become a Superstar.“

Die Bestätigung schwarz auf weiß, der Mann ist seriös und ich bald Superstar in der Premier League. Könnte man denken, denn das von Thomas Salamon angebotene wirkt unseriös und ist es auch, wie mir ein Kontakt bei der englischen Fußballvereinigung FA versichert.

„The clubs and the Agents whose names have been used have no knowledge of the potential ‚trials‘.“, klärt mich Andrew Furness, Financial Regulation Administrator von der FA, auf. Die Vorgangsweise sei bekannt, einige Opfer bereits von dieser betrügerischen Masche betroffen.

Ich spiele weiterhin den Ahnungslosen, kontaktiere den vermeintlichen FIFA-Agenten erneut, bitte ihn um weitere Schritte. Abgesehen von zunehmend formloserem Englisch zeichnet er sich durch himmelschreiende Unprofessionalität aus. Ein Vertrag, den er mir als plain text in einem Mail übermittelt, außer einem elendslangen Inhaltsverzeichnis wenig Inhalte bietet, bildet den Höhepunkt.

Selbst der Hinweis, dass dies kein subjektiv vernünftiger Vertrag sei, schreckt den Herren nicht ab. Dies sei ein üblicher Vertrag, wie ihn Vereine der Premier League verwenden, um Talente an sich zu binden. Irgendwie reicht es mir, ich konfrontiere ihn mit den Fakten. Werfe ihm an den Kopf, dass Anbiederungen wie seine mir von der FA als oftmals auftretende Betrügereien bestätigt wurden.

Es folgen erneute Beteuerungen, dass alles sei meine große Chance: „I don’t need to beg players to partake in Trials because it’s your Career not mine. Send me a response only if you’re ready to partake in the Trials.“

Natürlich habe ich weiterhin Interesse, wenn auch nur um zu wissen was er mir noch so vorschlägt an unrealistischen Deals. Ich könne ein Probetraining bei Arsenal London absolvieren, schlägt er mir vor. Ich verneine mit der Begründung, Arsenal London nicht wirklich zu mögen. Das sei natürlich kein Problem, ich könne auch Wigan, Sunderland oder Tottenham beehren.

Perfekt, Tottenham wäre meine erste Wahl. Es folgt eine erneute Zahlungsaufforderung über 500 britische Pfund plus der Information, wie wir weiter verfahren würden: „…then provide me with a scanned copy of your International Passport, a recent Passport photograph and your valid house Address then i will give you the payment details. Once i confirm your payment details, i will begin the processing of your Traveling Documents immediately and will be delivered to your doorstep by DHL within 4days. I want you to give me the informations as fast as you can so that i can have your Traveling Documents sent to you before the end of the Month.“

Natürlich überweise ich nicht. Die Vorgangsweise erschien gleichsam frech als auch unernst. Doch zeigt dieses Beispiel, mit welch illegalen Mitteln und dem Schüren von Hoffnung bei jungen Talenten der Rubel, bzw. der britische Pfund, rollt…

(Hinweis: Textpassagen sind Auszüge aus E-Mail-Konversationen, die kompletten Fassungen liegen dem Autor vor. Das Erstellungsdatum dieses Eintrags geht mit dem Publikationszeitpunkt nicht einher.)

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~ von hofaj - April 13, 2011.

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