Der zentrale Mann


Was besonders scharfsinnige Beobachter der hiesigen Fußballszene schon länger bemerkten – nämlich das durch falsche Platzieren eines Spielers auftretende „Hofmann-Loch“ – zeigte sich, wie schon in vergangenen Spielen, in ähnlicher Art auch beim Spiel der Hütteldorfer vor ausverkauftem Happel-Publikum gegen CSKA Sofia: Der SK Rapid hat ein Problem mit dem zentralen Mann im Mittelfeld.

Ist es bei nicht vorhandener Verletzung des Steffen Hofmann das Problem der Verwaisung der rechten Seite, wo Hofmann stetig zur Mitte zieht und rechts Raum für zwei aber nur Platz für einen Spieler hinterlässt, so zeigte Veli Kavlak genau das umgekehrte Phänomen. Konsequent hielt sich Kavlak auf rechts, es schien als verweigerte der medial in die Bresche gedroschene Jung-Rapidler gar den Zug zur Mitte.

Konsequenz war ein für die Sofia-Defensive leicht ausrechenbares Spiel der Rapidler, gepaart von einem zu wenig initiativen Kayhan als Backup ergab das eine glatte Nullnummer über die rechte Seite. Als man auf Seiten der Bulgaren das – zugegebenermaßen nicht schwer durchschaubare – Prinzip der Flanken über die Seiten überrissen hatte, war de facto Schluss mit Rapids Angriffsbemühungen.

Was fehlte, war der zentrale Mann. Jener ballsichere Spieler, der Gegenspieler auf sich zieht, Bälle fordert und im entscheidenden Moment verteilt, mit klug getimtem Passspiel den Flügelflitzern Raum und Zeit zum Flanken verschafft. Nuhiu war da eher nur die Verlegenheitslösung, da technisch zu limitiert und taktisch zu weit an der Front. Ein Manko, dass es im üblichen „Europa League-System“ des Peter Pacult eigentlich selten gibt, da eben da Hofmann gemeinsam mit Unterstützung zweier Nebenleute zentral aufgeigt.

Doch findet das international von Rapid so geliebte 4-2-3-1 keine Anwendung, so hängen sämtliche Angriffsbemühungen in der Luft. Im 4-4-2 ist Heikkinen spielermacherisch einfach zu limitiert, Pehlivan zu grünschnäbelig hinter den zweikampfstarken Ohren – somit können auch die beiden Defensiven die so dringend benötigte Position nicht bekleiden.

Von Medien und Experten in die Fußstapfen Hofmanns getreten, muss man angesichts dieser Umstände Kavlak eigentlich von jeder Schuld freisprechen, er hätte für die grün-weiße Offensive zu wenig beigetragen. Es war vielmehr die Summe aus Position und taktischem Gesamtkonzept, dass Kavlak weit hinter Erwartungen und Leistungsvermögen zurückblieben lies.

Dass Kavlak von seiner Grundvoraussetzung als Fußballer der klassische zentrale Mann ist, zeigte er dann – wenig verwunderlich – nach der Pacult’schen Systemumstellung, als Trimmel den rechten Flügel beackerte und der Hofmann-Ersatz zentral seine wahren Stärken ausspielen konnte.

Was wäre wenn, ist hinfällig. Was wäre Zukunft, nicht – denn laut eigenen Aussagen gibt Kavlak Rapid spätestens im Sommer den Lauf- statt Lochpass, könnte Hofmann irgendwann wieder verletzt sein aber auch ein Saurer von der Bank aus den zentralen Spielgestalter mimen. Doch wieder hinfällig, denn all das ist keine Personalfrage, sondern ein Systemproblem…

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~ von hofaj - November 4, 2010.

Eine Antwort to “Der zentrale Mann”

  1. PS: Bei uns hat sich der rechte Flügel (Navigation) gerade verabschiedet und ist auf die zentrale Position gewechselt – wohl zu vehement gefordert. Sämtlich verfügbare Programmierer und ein System-Admin kümmern sich bereits um diesen fürchterlich grauslichen Zustand…
    PPS: Wurde behoben, der rechte Flügel hat das zentrale Mittelfeld wieder verlassen und navigiert über die Seite 🙂

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