Rasen in der Wüste


Mit der Austragung der heurigen Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika setzte die FIFA neue Maßstäbe, lies selbige Veranstaltung im Zeichen der Entwicklungshilfe und noch viel mehr zur Zufriedenstellung einiger Delegierten erstmalig am afrikanischen Kontinent durchführen. Was vielen jetzt schon exotisch war, könnte bereits in zwölf Jahren ganz andere Dimensionen erreichen, sollte sich der Weltfußballverband für eine Meisterschaft im Wüstenstaat Katar entscheiden…Denn eben dieser verfolgt die ehrgeizigen Ziele einer aufwendigen wie ebenso utopischen Bewerbung für die Weltmeisterschaft im Jahr 2022. Ab Dienstag steht das Land zwei Tage im Mittelpunkt des FIFA-Interesse, wenn eine Delegation sich vor Ort ein Bild macht. Als letzte Station der Besichtigungstournee kämpfen die Katarer neben Japan, Südkorea und Australien ebenso wie die USA, England, Russland, Spanien/Portugal und Niederlande/Belgien um die Austragung dieser WM – letzt genannte ebenso um jene für 2018.

Angenommen der Tatsache, die FIFA sollte sich tatsächlich für Katar und damit gegen seine prominenten Kontrahenten entscheiden, stünde die Fußballwelt vor einer enormen Herausforderung: dem Klima in Katar. Mit einer enorm geringen Niederschlagsmenge gilt Katar als eines der trockensten Länder der Erde, mit subtropischen Konditionen bis zu 90% Luftfeuchtigkeit und Spitzenwerten im Sommer bis zu 45 Grad Celsius.

Perverser Plan der absoluten Monarchie? Wenn fußballerisch erträgliche Bedingungen inklusive Rasen nicht zu uns kommen, dann zwingen wir sie dazu. Aus dem Boden gestampfte Hightech-Arenen sollen die Luft im Wüstenstaat auf erträgliche 27 Grad herabkühlen, die Pläne dafür haben die Schubladen der arabischen Planer bereits verlassen.

Video zu Katars WM-Bewerbung

Abgesehen von den klimatischen Bedingungen, die Spieler wie Fans zu ständig wechselnden Verhältnissen zwingen würden, kämpft Katar auch mit einem weiteren Manko: Die Katarische Fußball-Nationalmannschaft wusste bisher mit internationalen Auftritten nicht zu überzeugen, ein Großteil der Protagonisten ist bei den heimischen Teams von Al-Sadd sowie Al-Gharrafa beschäftigt. Beheimatet in der Qatar Stars League, die weniger mit sportlichen Leistungen denn mit internationalen Topstar-Auslaufmodellen brilliert.

So schnürten etwa Pep Guardiola, Gabriel Batistuta, Steffen Effenberg, Romario, Gebrüder de Boer, Fernando Hierro, Frank Leboeuf und viele mehr ihre Schuhe am Persischen Golf. Mehr als Spielzeuge der Scheichs, als mit sportlichen Höchstleistungen…

Eine Weltmeisterschaft in Katar wäre klimatisch im wahrsten Sinne des Wortes ein Schock und auch vom Fanpotential eher in den Regionen Aserbaidschans als bei Fußball-Mutter England anzusiedeln. Für die umtriebigen Herren der FIFA möglicherweise eine neue Chance, Märkte zu erschließen, Sponsoren zu platzieren und die eigenen sowieso bereits prall gefüllten Kassen noch mehr zu stopfen. Doch neben all diesen Überlegungen würde einer auf der Strecke bleiben, der – so fühlt man – in den letzten Jahren bei Entscheidungen der FIFA nicht mehr wirklich eingebunden wurde und dessen Stellenwert irgendwie langsam zur Randnotiz schwindet: der Fußball.

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~ von hofaj - September 15, 2010.

Eine Antwort to “Rasen in der Wüste”

  1. sehr feiner kommentar zum thema wm-vergabe 2018 und 2022 mit berechtigter kritik gibts hier: http://www.jensweinreich.de/2009/12/02/katar-und-die-wm-2022-fusball-im-kuhlschrank/

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