Constantini und die Taktik-Steinzeit


Es hat ja so kommen müssen: Nein, nicht dass Österreich gegen den amtierenden Europameister und derzeit wohl beste Mannschaft der Welt mit 1:5 vor heimischen Publikum unterging, sondern viel mehr die folgende Bankrotterklärung fußballerischer Intelligenz des Didi Constantini – und damit wohl der Gipfel der Aneinanderreihungen öffentlich zur Schau gestellter, fachlicher Inkompetenz…

Denn die Ankündigung die Abwehr umzubauen, und künftig auf eine Viererkette mit vier gelernten Innenverteidigern zu setzen, war neues Wasser auf die sich immer schneller drehenden Mühlen der Teamchef-Kritiker. Und das völlig zu Recht. Eine Überlegung die, in Zeiten des modernen Außenverteidigers, anmutet wie eine Rückkehr in die Steinzeit und den Ruf nach einem Fußballexperten immer lauter erschallen lässt.

Auch die taktische Überlegung hinter dieser Äußerung kann wohl keine wirkliche gewesen sein, denn welcher Spieler vor der Abwehr sollte mehr Freiheiten erhalten, wenn er im Offensivspiel keine Unterstützung von seinem direkten Hintermann erhält? Noch viel mehr als jetzt schon würde das für das  Mittelfeld und auch die Stürmer bedeuten, stets in der Luft zu hängen und auf Genieblitze in Einklang mit Zufallsmomentum hoffen zu müssen.

Und wäre diese Überlegung nicht schon paradox genug, so schaffte es Constantini gleich im nächsten Augenblick seine „taktischen“ Absichten selbst zu entkräften: Denn eine Bestätigung, dass es mit vier Innenverteidigern gegen Spanien besser ausgesehen hätte, als die dargebrachte fehlende Ordnung gepaart mit individuellen Fehlern, wollte er nicht abgeben. Wozu dann eine Systemumstellung, wenn man selbst nicht dran glaubt? Oder funktionieren vier Innenverteidiger bloß gegen Spanien nicht, jedoch gegen jeden anderen kommenden Gegner schon?

Es war Ivanschitz, den er trotz Platz an der Sonne in der deutschen Bundesliga-Scorerliste nicht einberufen wollte. Es war Manninger, dem trotz stets guter Leistungen im Team andere vor die Nase bzw. vor das Tor gesetzt wurden, und selbiger deshalb seinen Rücktritt erklärte. Es war Stranzl, der aus guten Gründen nicht einsehen wollte, warum ein Jürgen Patocka mehr Berechtigung für eine Einberufung haben sollte als er. Es war Garics, der vor wenigen Tagen in einem Interview mit laola1.at unterschwellig, aber trotzdem deutlich,  Kritik an der grundsätzlichen Vorgehensweise Constantinis übte.

Alles Personalfragen und -entscheidungen, deren Ausrichtung und Durchsetzung in Constantinis Hand liegen und auch zu akzeptieren sind. Doch wenn er nun beginnt, den jungen – und irgendwie doch hoffnungsvollen – ÖFB-Karren an die Wand zu fahren und damit Jantscher, Pehlivan, Dragovic und Co. in die ballesterische Steinzeit katapultiert, dann sei ein öffentlicher Aufschrei angebracht. Und dieser sollte nicht enden bis Constantinis Tage im ÖFB enden!

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~ von hofaj - November 19, 2009.

2 Antworten to “Constantini und die Taktik-Steinzeit”

  1. Servus!
    Euer Blog gefällt mir recht gut.
    Bringt vieles genau auf den Punkt, führe selbst einen Sportblog und werde mir bei euch einiges abschauen.
    Könntest ja mal vorbeischauen wenns wollts – http://dseitlhuber.wordpress.com

  2. danke für das lob – wenn man nur mehr zeit hätte regelmäßig zu schreiben 😉

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