Der Wert des Geldes


Wenn Xavi, Iniesta und Kollegen am Mittwoch im Happel-Stadion an die Stätte ihres Vorjahrestriumphs bei der Europameisterschaft 2008 zurückkehren, wird so manch einem wohl nicht nur auf Grund der viel zu lauen Novembertemperaturen warm ums Herz werden. Viel mehr ist von den Iberern ein fußballerisches Feuerwerk mit technischen Schmankerln zu erwarten, das gebietet allein schon der Anstand Spanier zu sein.

Doch während man sich die Frage stellen sollte, wie man diese – zugegebenermaßen saustarken – Spanier biegen könnte, konzentriert sich (fast) alles auf die Macht der Spanier. So war Teamchef Didi Constantini im heutigen Ö3-Wecker davon überzeugt, dass Österreich sowieso noch „sehr lange“ immer Außenseiter sein würde, heimische Medien knien darnieder um den  Europameistern Lobhymnen zu unterbreiten.

So lässt etwa die Online-Ausgabe des Kurier jegliche Analyse außen vor und titelt viel lieber mit „Ein Xavi ist mehr wert als 23 Österreicher“, auch das zweite Produkt aus dem Hause Mediaprint widmet sich in der heutigen Print-Ausgabe fast zur Gänze den auf transfermarkt.at veranschlagten Marktwerten der spanischen Kicker.

Nun, dass ein Andrés Iniesta beispielsweise sogar sicherlich mehr wert ist als 50 Millionen Euro und 40-Millionen-Mann Cesc Fàbregas vermutlich sogar nur auf der Bank sitzen wird verdeutlicht auf den ersten Blick die krassen Klassenunterschiede zwischen Österreich und Spanien, es verheimlicht aber auch einen Aspekt, der vor allem unter Constantini immer wieder zu kurz kommt: die Taktik.

So stark ein Iniesta auch sein mag, er wäre nur die Hälfte – und das nicht nur finanziell – wert, würde er nicht von Vicente del Bosque in ein perfektes taktisches Korsett eingefügt werden. So torgefährlich ein Torres (auch wenn am Mittwoch nicht dabei) auch agieren mag, er wäre nichts ohne das geschickte Angriffsspiel der Spanier, getragen vom immens agilen und effizienten Mittelfeld. Diese Anreihung an Abhängigkeiten innerhalb der Mannschaft und von der Taktik könnte man beliebig fortsetzen; die Frage ist nur, wer ist im österreichischen taktischen Korsett von wem abhängig?

Denn mit vier gelernten Innenverteidigern kann man im modernen Fußball kein Spiel über die Seite aufziehen, mit zwei langen Stürmern lässt sich keine Abwehr durchbrechen, ohne zentralen Part im Mittelfeld lässt sich kein Spiel lenken und wer soll bei soviel Geißlein überhaupt der Bock sein?

Ja, die Frage des Geldes ist eine legitime. Dass die spanischen Akteure bei absoluten Topklubs ihr Geld verdienen Fakt. Aber es ist auch erwiesen, dass man selbst mit scheinbar schwächeren Teams über die Taktik zum Erfolg kommen kann. Wenn man denn eine Taktik hat…

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~ von hofaj - November 17, 2009.

3 Antworten to “Der Wert des Geldes”

  1. Auch wenn ich die akribische Arbeit auf transfermarkt.de sehr schätze, hat der ewige Vergleich von Marktwert vor einem Länderspiel oder Europacupspiel, einzig um zu zeigen, wie chancenlos die jeweilige österreichische Mannschaft eigentlich ist, bereits einen langen Bart. Zudem wird somit bereits im Vorfeld eine deutliche Niederlage „legitimiert“.

  2. Ich war gestern von Nürnberg nach Salzburg gefahren. In den Salzburger Nachrichten kam auch eine Vorschau auf das Spiel. Dabei wurde auch auf das einstige 0:9 gegen Spanien in Valencia im Jahr 1999 verwiesen. Die transfermarkt.de Geschichte war natürlich auch zu finden. Beim 0:9 soll der Keeper noch der beste Mann gewesen sein. Am Mittwoch wird es sicherlich enger zugehen.

  3. gut schlimmer als 0:9 kanns fast gar nicht mehr gehen, so gesehen ist deine prognose richtig 🙂

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