Gijon, Kairo – und jetzt Khartum?


Verraten, verkauft, verarscht. Nein, die Fußballgötter – so es sie gibt – meinen es nicht gut mit Algerien.  27 Jahre nach dem Skandalspiel von Gijon erlebten die algerischen Fußballfans am Samstag in Kairo neuerlich eine Tragödie. Ein ägyptischer Last-Minute-Treffer ließ den Traum von der WM in Südafrika vorerst platzen. Aber: Ein Happy End ist noch möglich.

25. Juni 1982: Gijon. Eine Stadt in Spanien. Ein Wort, dass bei Fußballfans auch Jahrzehnte später für hochrote Köpfe sorgt. Aus Scham in Österreich und Deutschland. Aus Wut in Algerien.

Was war passiert? Bei der 12. Fußball-WM in Spanien sorgte Algerien für einen Paukenschlag. Der krasse Außenseiter besiegte zum Auftakt den aktuellen Europameister Deutschland mit 2:1.

Es folgte eine 0:2-Niederlage gegen Österreich. Die Ausgangssituation vor dem letzten und entscheidendenen Spieltag:
1. Österreich – 4 Punkte, Torverhältnis: 3:0
2. Deutschland – 2 Punkte, Torverhältnis 5:3
3. Algerien – 2 Punkte, Torverhältnis 2:3
4. Chile – 0 Punkte, Torverhältnis 1:5

Am 24. Juni trifft Algerien in Oviedo auf Chile und siegt – nach deutlicher 3:0-Halbzeitführung – knapp mit 3:2. Österreich und Deutschland spielen ihr Match erst einen Tag später und wissen: Ein 1:0 der Deutschen würde beide für die nächste Runde reichen. So kommt es auch: Horst Hrubesch erzielt bereits in der zehnten Minute die Führung, das darauffolgende Ballgeschiebe ist hochnotpeinlicher Teil der Fußballgeschichte beider Länder. Legendär die Bilder von wütenden Algieriern auf den Tribünen, die mit Geldscheinen „wacheln“ und somit das Offensichtliche andeuten: Das ist Betrug am Sport!

Dass die FIFA dieses „Skandalspiel“ zum Anlass nahm, um die dritten Gruppenspiele von diesem Zeitpunkt an parallel austragen zu lassen, half den Algierern nichts mehr.

14. November 2009. Kairo. Einen Tag, bevor Robert Enke begraben wurde und Theo Zwanziger in einer bewegenden Abschiedsfeier „Fußball ist nicht alles“ sagte, straften die Ereignisse in der ägypten Hauptstadt dem DFB-Präsidenten Lügen. Die Emotionen kochten über, Fans in beiden Lagern drehten völlig durch: Die Auswärtsmannschaft – mit drei Punkten Vorsprung zum entscheidenden Match der WM-Qualifikationsgruppe C nach Kairo gereist – musste sich mehr als nur unwohl gefühlt haben (ein Spiegel-Online-Artikel von Volkhard Windfuhr sei wärmstens empfohlen).

Das Spiel selbst begann mit einer frühen Führung für die Hausherren, die einen Sieg mit zwei Tore Vorsprung benötigten, um ein Entscheidungsspiel zu erzwingen. Bis zur 95. Minute lebte der algerische Traum von der Direktqualifikation, ehe Emad Meteab – erst in der 66. Minute eingewechselt – doch noch das 2:0 erzielte. Das Cairo International Stadium tobte, der aufbrausende Ägypten-Trainer Hassan Shehata kriegte sich fast nicht mehr ein.

Die fünf Minuten Nachspielzeit sollen eher an den Haaren herbeigezogen gewesen sein, die Algerier durften sich abermals benachteiligt fühlen (das Wort „Betrug“ wäre unangebracht).

18. November 2009. Khartum. In der Hauptstadt des Sudan kommt es zum endgültigen Showdown. Der neutrale Fußballfan dürfte geneigt sein, seine Daumen den Algeriern zu drücken – zumindest in Österreich. Ein „bißerl Gijon“ steckt ja noch immer in unseren Fußballerherzen. Das wichtigste wäre aber, dass drei Tage nach dem Abschied von Robert Enke das Spiel fair und ohne Ausschreitungen über die Bühne geht – auch wenn Tausende Kilometer zwischen Hannover und Khartum liegen…

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~ von jackoby - November 16, 2009.

Eine Antwort to “Gijon, Kairo – und jetzt Khartum?”

  1. nur der arme Schoko hat angeblich nichts gewusst 🙂

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