Der Fall Diego: Ein Sittenbild


„Lederhose statt Dolce Vita“, Bayern statt Juve: Heute Mittag schrie „Bild“ die Sensation in fetten Lettern ins Web. Der angeblich fixe Wechsel von Diego zum italienischen Rekordmeister schien geplatzt, der Brasilianer sollte um rund 25 Millionen Euro an die Isar ziehen. Heute Abend: Kommando retour! „Wechsel geplatzt! Papa Diego linkt Bayern“, weiß die in Transferfragen stets topinformierte „Bild“. Der Vater des Werder-Mittelfeldregisseurs, Djair da Cunha, und Diegos Berater wollten die beiden Klubs offensichtlich gegeneinander ausspielen, um Jahresgehalt und Transfersumme – an der Diego und sein Clan natürlich ordentlich mitschneiden – in die Höhe zu treiben. Der Fall Diego ist ein Sittenbild über schamlose Gier und fehlende Moral im millionenschweren Fußballbusiness.

Transferzeit ist Gerüchtezeit: Nicht nur die Frage wer wohin, sondern auch das Rätselraten wer wieviel sorgt für Diskussionsstoff. Letzteres bleibt aber meist im Vagen. Bei Diego kann die Bild-Zeitung aber genau auflisten, wie die Gespräche abliefen und welche Summen im Spiel waren. Man darf annehmen, dass der Ablauf im Fall Diego kein Einzelfall ist. Auch in der heimischen Bundesliga gibt es immer wieder Gerüchte über unverschämt hohe Handgelder und unlautere Methoden – von allen Seiten.

Eine unrühmliche Rolle in diesem Sumpf nehmen die Spielerberater ein. Sie müssen nicht sympathisch sein, aber zumindest das beste für ihre Mandanten – und nicht für ihr Ferienhaus in Istrien – herausholen. Das dies nicht immer der Fall ist, zeigt das Negativbeispiel Preston Zimmermann. Der US-Amerikaner, eine HSV-Leihgabe an den SV Kapfenberg, ist seit einigen Wochen für niemanden vom Klub erreichbar. Sein neuer Berater habe ihm den Kopf verdreht, heißt es in Kapfenberg. Die Karriere dürfte so statt in luftige Höhen in die Sackgasse führen.

Anstatt neuen Vermarktungsmöglichkeiten wie der „Europa League“ oder der Euro-Aufstockung sollte sich die UEFA einmal intensiv dem Transferwahnsinn widmen. Denn es hat den Anschein, als ob in diesem System nicht viel mit rechten Dingen zugeht: Entweder werden die Klubs ausgetrickst (vornehmlich durch die Topstars) oder junge Spieler – vor allem aus Afrika und Südamerika – zu modernen Sklaven degradiert. Mehr Ethik tut not – auch wenn dies naiv klingt.

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~ von jackoby - Mai 13, 2009.

Eine Antwort to “Der Fall Diego: Ein Sittenbild”

  1. weiteres Beispiel ist da wohl auch der Klaus Salmutter

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