Cup-Tristesse


Was ist im österreichischen Fußball noch unbeliebter als Karel Brückner? Richtig, der ÖFB-Cup, ein ewig ungeliebtes Kind: von den Bundesligisten als Schonzeit für ihre Stars missbraucht, von den Fans kaum akzeptiert und vom Verband bei Bedarf einem höheren Ziel (Euro 2008) geopfert. Am Ende gewinnt sowieso immer die Austria. In anderen Ländern elektrisiert der Cup, bei uns fadisiert er nur.

Der Vergleich hinkt, schmerzt aber trotzdem: In den vergangenen Tagen konnten österreichische Fans im deutschen TV verfolgen, wie emotional und begeisternd „Cup-Schlachten“ trotz teils niedrigem Niveau in Deutschland (Leverkusen – Mainz) und in England mit seinem traditionellem FA-Cup (Arsenal – Chelsea, Everton – Manchester United) sein können. Heute serviert der ORF das Halbfinale zwischen Wiener Neustadt und Austria Wien. Das Stadion soll mit 7.500 Fans ausverkauft sein – eine wohltuende Abwechslung, denn ansonsten herrscht in Österreich eher Cup-Tristesse.

Bestes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist der Viertelfinal-Schlager Sturm Graz gegen die Austria. Gerade einmal 5.000 Fans verirrten sich in die UPC-Arena. Dabei ging es für die Steirer um viel: Ein Titelgewinn im Jubiläumsjahr (100 Jahre) wäre eine feine Sache gewesen. Aber trotz spannenden Spielverlaufs mit Verlängerung und Elferschießen gab es keinen „Pokal-Fight“ , weil der Funke auf die spärlich besetzten Ränge nie übersprang. (Übrigens: In der Bundesliga hatte Sturm gegen Ried und Kärnten jeweils mehr als 10.000 Besucher.)

Auch das gestrige Semifinale zwischen den Amateuren der Austria und der Admira fand „halt statt“. Das Interesse war sowohl vor Ort (2.500 Besucher) als auch in den Medien gering. Das 3:1 der Admira blieb eher eine Randnotiz.

Ein Vorwurf ist sicher dem ewig trägen ÖFB zu machen. Eine Vermarktung für den Cup findet kaum statt. Zumindest das Finale könnte – Fußballpuristen bitte weghören – als „Event“ aufgezogen werden, mit einem fixen Austragungsort an einem fixen Termin. Von Kontinuität war in den vergangenen Jahren keine Spur:

  • 2003 Austria – Kärnten an einem Sonntagnachmittag in Graz
  • 2004 GAK – Austria ebenfalls sonntags in Salzburg
  • 2005 Rapid – Austria an einem Mittwochabend im Happel-Stadion
  • 2006 Austria – Mattersburg an einem Dienstagabend ebenfalls im Prater
  • 2007 Austria – Mattersburg am Nachmittag des 1. Mai im Hanappi-Stadion.

Und heuer? Das Finale findet am Sonntag, 24. Mai, im Mattersburger Pappel-Stadion statt.

In Zukunft kann es nur besser werden. Bis dahin bleiben Tagträume von einem mit 15.000 Zuschauern gefüllten Tivoli-Stadion, in dem nach einem packenden Cup-Match Zweitligist Innsbruck im Elferschießen Meister Red Bull Salzburg rauswirft

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~ von jackoby - April 22, 2009.

3 Antworten to “Cup-Tristesse”

  1. unverständlich ist die geringe Akzeptanz ja vor allem deswegen, weil man mit 4 bis 5 guten Spielen fix international dabei wäre…

  2. Also, die Akzeptanz bei der Austria ist eh da, der Rest ist mir sogar eher recht… 😉

  3. 🙂 nur qualifiziert sich die Austria wohl eh auch über die BL für internationale Bewerbe! Aber „kleineren“ Teams wäre es wohl ans Herz zu legen sich im Cup ein wenig mehr zu engagieren…

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