Jenseitiges über Afrika


Vergangenes Wochenende starben 22 Menschen bei einer Massenpanik im Stadion von Abidjan (Elfenbeinküste). Ein tragischer Vorfall. Und dennoch kein Grund, die Stadionsicherheit bei der Weltmeisterschaft in Südafrika in Frage zu stellen. Doch immer wieder kam in den Meldungen der vergangenen Woche unterschwellig die Frage durch: Ja, können die Afrikaner das überhaupt? Doch zumindest drei Argumente sprechen gegen diese – latent rassistische – Skepsis.

1) Indem ein Zusammenhang zwischen dem Unglück in Abidjan und dem nächstjährigen Großereignis hergestellt wird, kommt ein grundlegendes Missverständnis bei der Betrachtung Afrikas ins Spiel: Der Kontinent besteht aus 53 Nationen, deren Bewohner nicht über einen Kamm gescherrt werden können. Dennoch sprechen wir in Europa stets vom „Afrikaner“. Ist damit eigentlich der Händler am Basar von Kairo, der Fischer vor Sierra Leone oder die Bankangestelle in Johannesburg gemeint?

Es wäre doch absurd gewesen, Fan-Ausschreitungen in Belgrad oder St. Petersburg zu einem Problem für die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz hochzustilisieren. Der Aufschrei der heimischen Medien wäre laut gewesen.

2) Wer die FIFA kennt, weiß: Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Die Stadien werden „state of the art“ sein und vor dem Fernsehgerät werden wir nicht unterscheiden können, ob das Match in Yokohama, Sydney oder Kapstadt gespielt wird.

3) Auch wenn es in Afrika immer wieder zu solchen Stadionunglücken kommt, passiert dies „nur“ bei Spielen, die im Verantwortungsbereich eines nationalen Verbandes liegen. Der biennal stattfindende Afrika-Cup hingegen zeigt, dass der afrikanische Fußballverband CAF Kontinentalmeisterschaften auf internationalem Niveau durchführen kann – egal, ob in Tunesien (2004), Ägypten (2006) oder Ghana (2008). Jeder konnte sich davon via Eurosport überzeugen.

Die Frage, wie es zu den Todesfällen in Abidjan komment konnte, muss unbedingt geklärt werden. Angeblich waren 50.000 Zuschauer im für 35.000 Fans kommissionierten Stadion. Aber es ist ungerecht, Afrika ständig den Makel eines „failed continent“ umzuhängen.

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~ von jackoby - April 5, 2009.

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