Ostern naht, der Erlöser ist schon da


In Velden brachten sie in Luxusboliden einige Gelähmte zu ihm. Als Dietmar den Glauben dieser Männer sah, sagte er zum kranken Team: «Habe keine Angst! Die Leistungen der vergangenen Jahre sind dir vergeben.» «Dieser Gotteslästerer!» entsetzten sich einige Fans. Dietmar durchschaute sie und fragte: «Warum habt ihr so böse Gedanken? Was ist leichter – zu sagen: ‚Deine Blamagen sind dir vergeben!‘ oder dieses Team zu heilen? Aber ich will euch zeigen, daß ein gstandener Tiroler die Macht hat, schon jetzt Debakel zu vergeben!» Und er sagte zu den Gelähmten: «Steht auf, nehmt eure Trikots und siegt für euer Land!» Da stand das kranke Team auf und siegte für sein Land. (nach Leo 09, 1-4)

Die Euphorie kennt keine Grenzen. In purer Ekstase scharren sich die journalistischen Jünger um den neuen Messias des österreichischen Fußballs. Jede Wortspende wird als Heilsbotschaft verkündet. Der heilige Constantin(i) hat die alten und trägen Priester Stranzl und Ivantschitz aus dem Tempel der Nationalelf vertrieben. Der Beifall des Volks war ihm gewiss.

Ein Blick in die Gesichter der Jünger verrät: Ihr neuer Meister verkündet ihnen das Himmelsreich, das – wenn schon nicht in Südafrika – dann immerhin in Polen und der Ukraine liegen soll. Ach, wie sind sie froh, nicht mehr nach der Pfeife einer Rothaut tanzen zu müssen. Der ewig grimmige Häuptling sprach zu undeutlich und auch zu hart, die zarten Seelchen haben ihn nicht verstanden – und wenn doch, dann waren sie verletzt.

Erwin – ein sehr bigotter junger Mann, immerhin haben ihn seine Eltern nach dem niederösterreichischen Landespatron benannt – soll der beste unter den Jüngern sein. Gleich, was ihm sein Meister für Aufgaben stellt, er löst sie mit Geschick und Bravour. Das Volk betet inbrünstig, dass Erwin auch gegen die Pharisäer – äh, Rumänen, seinen jugendlichen Übermut zügeln kann und kühl die sich bietenden Chancen nutzt.

Falls es dem neuen Messias, dem man vor über 15 Jahren seine erste Mission heimtückisch vereitelt hat, wirklich gelingen sollte, dem zuletzt wie gelähmt agierenden Team zur Wiederauferstehung zu führen, wird die Hysterie in diesem Land keine Grenzen kennen. Weinende Frauen werden Dietmar ihre halbwüchsigen Söhne hinhalten, in der Hoffnung, dass seine Berührung die göttlichen Gaben des Dribbelns und Gaberlns verheißen. Männer werden wieder andächtig bei der Bundeshymne mitbrummen. Und auch ein Stern auf der „Straße der Sieger“ wird flugs herbeigeschafft.

Aber wehe, der Meister und seine Jünger enttäuschen das Volk. Dann wird aus Dietmar schnell ein Judas. Und der Ruf nach einem neuen Messias wird alsbald allerorts erklingen …

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~ von jackoby - März 31, 2009.

2 Antworten to “Ostern naht, der Erlöser ist schon da”

  1. Amen!!!

  2. Vergelt’s Gott!

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