Too fast, too furious


Mittwochabend, die Vorfreude war groß: Endlich wieder Champions-League! Chelsea gegen Juve versprach ein Leckerbissen zu werden. Doch die 90 Minuten an der Stamford Bridge enttäuschten: zu viele Fehlpässe, zu wenig gelungene Kombinationen. Am Tempo beider Mannschaften kann es nicht gelegen haben. Oder doch? Immer öfter drängt sich bei internationalen Topbegegnungen der Eindruck auf, dass die Spielgeschwindigkeit bereit ZU hoch ist.

Als regelmäßiger Konsument der österreichischen Fußballkost kann man natürlich nur staunen über die Fähigkeiten von Spielern wie Drogba, del Piero oder Lampard. Und dennoch sieht vieles „schlampert“ aus: Laufpässe ins Nirgendwo, Weitschüsse in Richtung Flutlicht oder misslungene Ferserl-Tricks. Die CL-Partie am Mittwoch wirkte über weite Strecken zerfahren und vor allem hektisch. Sieht so die Zukunft aus?

„Bundesliga-Classics“ auf DSF oder „WM-Legenden“ auf Eurosport führen vor Augen, wieweit sich der Fußball hinsichtliche Athletik weiterentwickelt hat. Die Zeit für Ballannahme und Tricks, wie sie noch Gullit, Platini oder Matthäus zu ihren besten Zeiten hatten, steht Hleb, Gerrard, Ribery & Co. nicht mehr zur Verfügung. Darunter leidet die Ästhetik des Spiels.

Wenn eine Mannschaft den Hochgeschwindigkeits-Fußball richtig gut beherrscht, ist das ein Feuerwerk fürs Auge. Wir erinnern uns gerne an Spaniens „Tiki-Taka“ bei der Euro 2008. Auch die Niederländer und Russen rannten ihren Gegnern förmlich davon – bis zu jeweils letzten Partie, wo alles, was zuvor leicht vom Fuß ging, plötzlich unbeholfen und einfallslos wirkte.

Darin scheint die Gefahr im „Tempofußball des 21. Jahrhunderts“ zu liegen: Dass der sprichwörtliche Faden reißt und Weltstars plötzlich limitiert wie Regionalliga-Kicker wirken. Dann schlägt die Stunde von eher biedernen Mannschaften wie Schweden oder Deutschland, die es verstehen, mit einfachen, aber effektiven Spielzügen zum Erfolg zu finden.

Die Grenze zwischen Genie und Fehlpass war selten so dünn wie heute. Dass dies nicht überall so sein muss, beweist Österreich: Hier gehören Fehlpässe aus unbedrängter Position nach dreimaligem Ballvorlegen zum Liga- und Teamalltag. Der Ivanschitz von heute ist der Augenthaler von 1990.

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~ von jackoby - Februar 27, 2009.

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