Ohne Rieder kein Wiener


Wir sind eure Hauptstadt, ihr Bauern. Diesen Satz muss man in den Fanblöcken der beiden Wiener Großvereine wie aus dem Effeff beherrschen. Auch in Graz und Salzburg zählen ähnliche Phrasen zum Standardrepertoire. Die Aussage: Nur wir, die Nicht-Landwirte, können kicken. Ihr, der kuhtreibende Rest der Alpenrepublik, könnt es nicht. Nur seltsam, dass man anscheinend beim ÖFB genauso denkt.

Zu selten haben Kicker, die ihre Zelte abseits der Donau-, Salzach- und Murmetropolen aufgeschlagen haben, die Gelegenheit, ihr Können auf dem heißen Parkett des internationalen Fußball zu präsentieren. Erst wenn der Schritt nach Wien, Graz oder Salzburg getan ist, wird man auch für das Nationalteam interessant. Jüngst geschehen bei Andreas Ulmer, dem neusten Mateschitz-Jünger.

Ulmer, groß geworden in der Franz-Strohsack-Akademie, war bis vor kurzem noch im grünen Dress der SV Ried gewandet. Nach langem Transfer-Hickhack setzte sich der 23-Jährige selbst die Hörner auf und wechselte in den ohnehin schon gut gefüllten Bullenstall.

Im Herbst hatte Ulmer links in der Rieder Viererkette einige bärenstarke Partien abgeliefert und sich so ins Salzburger Notizbuch gespielt. Auf einen Anruf von Teamchef Karel Brückner wartete er jedoch vergeblich. Ohne auch nur eine Minute für Red Bull Salzburg auf dem Feld gestanden zu haben, schaffte er nun den Sprung in die Auswahl. Gegen die Schweden wird er dabei sein.

Nicht am Platz stehen wird dagegen „Käfigkicker“  Zlatko Junuzovic. Dieser zählte anno dazumal nicht nur zu den Fixgrößen beim GAK und der U20-Auswahl, sondern schaffte unter Hickersberger auch den Sprung ins A-Nationalteam. Als der GAK zwei Stöcke tiefer musste, verließ „Zladi“ den Klub, heuerte in Klagenfurt an und disqualifizierte sich so für das Nationalteam. Nach seinem Wechsel im Jahr 2007 bestritt er kein einziges Länderspiel mehr – und das trotz starker Leistungen im Herbst.

Was macht einen Fußballer also zum Nationalspieler? Ist es Zweikampfstärke? Ist es Torgefährlichkeit? Ist es Ausdauer? Oder ist es das Wappen, das er auf der Brust trägt? Wann begreift auch der ÖFB, dass es ohne Bauern kein Wiener Schnitzl gibt?

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~ von Stoffl - Februar 8, 2009.

2 Antworten to “Ohne Rieder kein Wiener”

  1. Ein weiteres Beispiel wäre der Ekrem Dag. Spielt in der türkischen ersten Liga, fürs Nationalteam jedoch kein Thema…

  2. Für mich ist auch der negative Kommentar von Brückner zum Stankovic-Transfer bezeichnend. Sollte sich Stankovic bei Triestina durchsetzen und ein Stammspieler in der Serie B werden, wäre das viel mehr wert als gelegentliche Genieblitze bei Sturm Graz. Leider droht das Schicksal von Andreas Ibertsberger, der viel zu lange unbeachtet blieb.

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