„Österreichs beliebtester Sportkommentator“


„Rainer Pariasek ist Österreichs beliebtester Sportkommentator. Das ergab die Umfrage eines namhaften Telekabel-Anbieters, die vergangenes Jahr unter österreichischen TV-Konsumenten durchgeführt wurde.“ Mit diesem Aufmacher wirbt das nicht zu Unrecht spätnachtens platzierte ORF-Magazin „Wie bitte?“ für ein Interview mit „Österreichs beliebtestem Sportkommentator“ Rainer Pariasek. Was für den ORF ein Aushängeschild, ist für den Liebhaber kritischer Berichterstattung – auch im Sport – mehr als nur ein Dorn im Auge. Folgende Textpassagen des namhaften und profilierten deutschen Journalisten Jürgen Bertram prangern den Verfall des Sportjournalismus an. Ob und inwiefern das auch auf „Österreichs beliebtesten Sportkommentator“ zutrifft, sei jedem selbst überlassen…

„Sich dem nationalen und ökonomischen Gut Spitzensport kritisch zu nähern kommt einem Sakrileg gleich. Das gilt insbesondere für den Fernseh-Journalisten, denn gerade dessen massenwirksames Medium begreifen die Funktionäre und Profiteure des Sports in erster Linie als Geschäftspartner und nicht als Kontrollorgan.“

Bertram, der in seiner Karriere des öfteren in Berührung mit Sport-Berichterstattung kam, erzählt in seinem Buch „Mattscheibe“ von einem Symposium, wo der Journalist Manfred Blödorn eine pessimistische Prognose in den Raum stellt: „Der Sportjournalist der neunziger Jahre gleicht sich in Eloquenz und Rhetorik immer mehr dem Showmaster an. Es ist seine Aufgabe, zusätzliche Spannung und Dramatik zu erzeugen, Helden der Arena zu bejubeln oder zu bedauern, die Zuschauer vor dem Bildschirm süchtig zu machen nach noch mehr Sport. Moderatoren mit dem Aussehen eines Dressmans und der Ausstrahlung eines liebe- und verständnisvollen Onkels lösen kritische Frager und sachkundige Experten ab.“

Der Münsteraner Medien-Wissenschaftler Joseph Hackforth dazu: „Eine hintergründige, analytische und problemorientierte Sportberichterstattung ist vom Fernsehen der Zukunft noch seltener zu erwarten, die ergebnisbezogene, showorientierte Spitzenleistung mit stark unterhaltsamen Aspekten umso mehr.“

„Während die kritische Substanz bei der Sportberichterstattung schrumpft, blasen die TV-Verantwortlichen, wohl auch um das horrende Rechte-Honorar begründen zu können, selbst mittelmäßige Fußball-Ereignisse zu Events auf. Als die deutsche Nationalelf in der Qualifikation für die Europameisterschaft 2004 gegen das drittklassige Irland antritt, widmet das ZDF diesem Spiel einen siebeneinhalbstündigen, nur durch einige spärliche ‚Heute‘-Nachrichten unterbrochenen Abend.“

Neben diesem qualitativen Verfall kritisiert Bertram auch das Bündnis der Medien mit der Fußball-Prominenz, wie folgendes Beispiel (Hintergrund ist der Kampf um die Vergaberechte für die deutsche Bundesliga 2003) zeigt: „Verhandlungspartner der ARD, die ihre ‚Sportschau‘ wieder mit Spitzenfußball schmücken will, ist der ehemalige Nationalspieler Günter Netzer. Als Direktor der Schweizer Sportagentur ‚Infront‘ verfügt er über die Bundesliga-Bilder, die bis dahin die SAT-1-Show ‚ran‘ präsentierte. Bei dem Zig-Millionen-Deal geht es im Kern darum, dass der private Sender die horrenden Summen nicht mehr zahlen will und die spendable öffentlich-rechtliche Konkurrenz der Bundesliga aus der Bredouille hilft. Dass der gewiefte Kaufmann Netzer gleichzeitig bei der ARD als Kommentator auf der Honorar-Liste steht, werten Kritiker als eklatante Interessenskollision. Ohne jede Frage bildet der ehemalige Nationalspieler mit seinem pfiffigen Partner Gerhard Delling ein eloquentes Gesapnn, das taktische Konzeptionen trefflich zu analysieren weiß und auch den Unterschied zwischen einem aktiven und einem passiven Abseits erkennt. Aber ein skeptisches Wort etwa zur totalen Kommerzialisierung dieses Sports oder zur Sklaven-Rolle mnacher Spieler wird den beiden, da sie von der Ware Fußball leben, kaum über die Lippen kommen.“

Olympische Spiele 2004 in Athen: „Doping? Natürlich kommen die Sender nicht umhin, gelegentlich auf die Verstöße zu hinzuweisen, die für diese Spiele geradezu charakteristisch sind. Als die deutschen Springreiter in einen solchen Skandal verwickelt werden, leitet das ZDF-Sportstudio seinen Bericht mit den Worten ein: ‚Es ist ein Fall, über den wir nicht reden wollen, aber müssen.'“

Dies sind nur einige Auszüge um zu demonstrieren, in welch misslicher Lage sich der Sportjournalismus schon seit Jahren befindet. Den totalen Untergang des kritischen Sportjournalismus heraufzubeschwören wäre wohl zu pessimistisch, mit einem Rainer Pariasek als Aushängeschild des ORF befinden wir uns jedoch am besten Wege dorthin…

(sämtliche Textpassagen aus: Bertram, Jürgen: Mattscheibe. Das Ende der Fernsehkultur. Frankfurt am Main, 2006. 3. Auflage)

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~ von hofaj - Januar 14, 2009.

5 Antworten to “„Österreichs beliebtester Sportkommentator“”

  1. Leider dürfen am Küniglberg neben Pariasek noch weitere recht unqualifizierte Typen ihren Senf zum Sportgeschehen abgeben. Ich denke da an Wolfgang Koczi, dem launigen Meister der Redundanz. Stilfblüten unter: http://www.stilblueten.at/2002/w_koczi.htm

  2. wie ist es möglich, dass der orf einen prüller, der ja wegen seiner originalität und entertainmantfähigkeiten der vermutlich wirklich beliebteste sportkommentator ist (siehe prüller-fanclubs) , in pension schickt, und den absolut peinlichsten und einfältigsten aller sportkommentatoren(siehe pariasek-hassclubs) weiterhin vors mikrofon läßt ?

  3. lieber wolf ich würde es dir gerne beantworten, kann es aber nicht! könnte aber an der nicht vorhandenen außensicht des orf-managements liegen…

    btw: ich persönlich war nie ein großer fan von prüller und bin schon einigermaßen verwundert, dass das öffentliche echo nach seinem rausschmiss dermaßen hoch ist!!!

  4. Österreichs beliebtester Sportkommentator Rainer Pariasek. Keine Ahnung wer hier wählt und wer zur Auswahl stand aber dazu kann ich nuzr eines sagen: Gibt’s schlimmeres als das Spiel der Österreicher? Ja, den Moderator!.

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