„Changerl“ statt „Change“ im ÖFB


Ein kollektives Aufatmen war vergangene Woche unter Österreichs Fußballfans zu vernehmen: Der weitgehend unbeliebte ÖFB-Präsident Friedrich Stickler nahm überraschend den Hut – aus beruflichen Gründen, wie der Lottieren-Chef betonte. Aber wie heißt’s so schön? „Es kommt halt nix besseres nach.“ Kurt Ehrenberger, in Ehren ergrauter Wiener Landesfunktionär, übernahm bis zur Kür eines neuen (ehrenamtlichen/vollzeitbeschäftigten?) Präsidenten den Prestigeposten. Das Interregnum droht zum Desaster zu werden, Ehrenberger ist militärisch gesprochen eine „misguided missile“.

Der 75-jährige Ehrenberger war jahrzehntelang verdienstvoll als Fußballfunktionär tätig. Nun nahm er vergangenen Freitag wie aus heiterem Himmel auf den ÖFB-Chefsessel Platz – wenn auch nur für kurze Zeit (Ende Jänner/Anfang Februar). Die drei Monate an der Spitze will Ehrenberger aber durchaus intensiv nutzen, zumindest um zu poltern und zu polarisieren. Objekt seiner Kritik: Teamchef Karel Brückner. Ehrenberger will mit dem Tschechen sprechen, ihm sagen, was er gut findet und was nicht. In der Premiere-Sendung „Talk und Tore“ phantasierte er am Sonntag bereits  von Didi Constantini als neuen Nationaltrainer. 

Die eigentliche Aufgabe Ehrenbergs ist ja nicht, den bisher eher glücklosen Brückner abzuschießen, sondern die Wahl eines neuen, möglichst kompetenten und engagierten Präsidenten in die Wege zu leiten. Mit der Einschätzung, Österreichs Fußball brauche in der Zukunft einen Profi als Oberhaupt, hat der scheidende Stickler völlig recht: Ehrenämter sind zwar lobenswert, in diesem Fall aber unangebracht. Auch der steirische Verbandschef Gerhard Kapl fordert in einem Interview mit der Kleinen Zeitung einen Profi.

Mit Gigi Ludwig steht ein profunder Kenner der ÖFB-Strukturen Medienberichten zufolge bereits „ante portas“. ÖFB-Strukturen? Moment mal. Genau, diese werden von kritischen Geistern als verkrustet, altmodisch und unflexibel beschrieben. Ob ein Präsident Ludwig jene ernsthaften Modernisierungsversuche anstrengt, die ein Generalsekretär Ludwig nicht gemacht hat, sei dahingestellt.

Letztendlich macht der ÖFB nach Sticklers Rücktritt einen noch erbärmlicheren Eindruck als zuvor. Dazu passen „Ratschläge“ von außen: Jahrhundertfußballer Herbert Prohaska sprache sich gegenüber Laola1 für die Beibehaltung der Ehrenamtlichkeit aus. Während alle Welt von Obamas „Change“ schwärmt, reicht es im österreichischen Fußball gerade einmal zu einem „Changerl“. Wie sagte schon Ex-Bundeskanzler Viktor Klima sinngemäß: „Österreicher wollen Reformen, aber es soll sich nichts ändern.“

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~ von jackoby - November 12, 2008.

Eine Antwort to “„Changerl“ statt „Change“ im ÖFB”

  1. mMn nach die einzige Lösung ist nach dem Vorbild ÖSV einen modernen, leistungsbezogenen ÖFB zu formen!

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