Von Vorverurteilungen und Schnellschüssen


„Ich muss das erst verdauen. Ich habe keine Ahnung, wer auf den gekommen ist […]“ (Johann Krankl) – „Als ich den Namen im Radio hörte, bin ich fast aus meinem Auto geflogen. Ich bin maßlos enttäuscht“ (Felix Gasselich) – „Wir Landespräsidenten haben ihn nicht bestellt. Ich wurde […] von der Brückner-Bestellung informiert.“ (Kurt Ehrenberger). Konsens über die Bestellung Karel Brückners nach der EURO 2008 zum österreichischen Teamchef herrschte scheinbar nur in den obersten Entscheidungsgremien ( = Präsident Friedrich Stickler), und nur etwas mehr als drei Monate später sägt die Fußballnation Österreich schon wieder eifrig am Sessel des 68-jährigen Tschechen…

Gründe dafür sind der katastrophale Start in die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika mit nur vier Punkten aus ebenso vielen Spielen sowie der derzeitige Gesamtzustand der Mannschaft. Das Brückner kein leichtes Erbe antreten würde, war schon vor seiner Bestellung klar. Und dass man aus einem zusammengefahrenen Steyr in wenigen Wochen keinen weltmeisterlichen Ferrari basteln kann, liegt eigentlich auch auf der Hand.

Ein Punkt aus den letzten drei Spielen gegen Gegner wie Litauen, Färöer und Serbien erscheint auf den ersten Blick erbärmlich, doch scheint manch einer – der jetzt den Experten-Schnabel umso weiter aufreisst – die „Erfolge“ der letzten Jahre vergessen zu haben! Chancentod hat sich die Statistik der letzten Jahre angesehen und dabei entdeckt, dass es noch viel schlimmer geht…

Erfolglos Teil I

Wie zum Beispiel im Jänner 2002, als Österreich unter Hans Krankl zwar erfolgreich mit zwei Siegen in die EM-Qualifikation startete, dann aber jäh auf den Boden der Tatsachen geholt wurde mit einem 0:3 gegen die Niederlande, 0:1 gegen Norwegen und 2:2 gegen Griechenland in Freundschaftsspielen sowie einem 0:4 gegen Tschechien. Schlussendlich verpasste man die Qualifikation als Gruppendritter klar.

Alles besser werden sollte bei der WM-Qualifikation 2006, noch immer unter den Fittichen des „Falken“: Doch nach verheißungsvollen vier Punkten zum Auftakt folgten ein 1:3 gegen Polen, ein 3:3 gegen Nordirland (Stichwort: „irreregulär“), und ein 1:1 gegen Zypern sowie gegen Lettland beim Vier-Nationen-Turnier.

Damals spielte das österreichische Nationalteam um keinen Deut besser als heute, und die Ergebnisse gegen keineswegs große Nationen fielen auch um nichts besser aus…

Erfolglos Teil II

Doch es sollte noch schlimmer kommen, als Josef Hickersberger im Frühjahr 2006 das Zepter zum zweiten Mal übernahm und mit einem 0:2 gegen Kanada, 1:4 gegen Kroatien, 1:2 gegen Ungarn, 2:2 gegen Costa Rica und 0:1 gegen Venezuela aus fünf Spielen ein mageres Remis einfuhr – der mediale Aufschrei blieb damals, im Gegensatz zur Gegenwart, aus. Ebenso wie bei der nächsten erschreckenden Negativserie, die im Februar 2007 seinen Lauf nahm: 1:1 gegen Malta, 1:1 gegen Ghana, 0:1 gegen Frankreich, 0:1 gegen Schottland, 0:0 gegen Paraguay, 1:1 gegen Tschechien, 0:0 gegen Japan, 0:2 gegen Chile, 1:3 gegen die Schweiz.

15 Spiele – 1 Sieg

Neun Spiele in Folge ohne Sieg, nur durchbrochen durch den positiven Ausreisser mit einem 3:2-Sieg gegen die Elfenbeinküste. Darauf folgten weitere fünf Spiele ohne Sieg mit Niederlagen gegen England (0:1), Deutschland (0:3), die Niederlande (3:4 nach 3:0-Führung…) sowie zwei Unentschieden gegen Tunesien und Nigeria. Wäre das Spiel gegen die Ivorer nicht gewesen, so hätte das ÖFB-Team 14 (!!!) Spiele in Folge keinen vollen Erfolg einfahren können…

Der Grundtenor sämtlicher Experten und Kommentatoren unter Krankl wie auch unter Hickersberger war, die Trainer arbeiten und ein Team formen zu lassen. Geschafft haben sie es nicht. Nun hätte man einen Trainer mit Karel Brückner, der dies bekanntermaßen (Tschechien) kann, und lässt ihn nicht in Ruhe arbeiten.

Die Gründe dafür können nur den privaten Empfindlichkeiten mancher „Altgedienter“ entspringen, denn leistungstechnisch stand Österreicher noch vor kurzer Zeit viel schlechter da…

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~ von hofaj - Oktober 22, 2008.

3 Antworten to “Von Vorverurteilungen und Schnellschüssen”

  1. recht so. und ausserdem ist noch nichts verloren. ich hoffe zwei grottenschlechte partien von rumänien.

  2. ob es nicht gescheiter wäre ein team für 2012 aufzubauen?

  3. […] primär beim Tschechen gesucht. Die konkreten Vorwürfe sind aber teils provinziell-lächerlich. Hofa hat vor wenigen Tagen bereits mit Hilfe der Statistik versucht, den Kritikern Wind aus den Sege…. Hier folgt noch mehr Munition “pro […]

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