Viel gerühmtes Österreich…


Da war sie also wieder, die hoffnungsvoll, prickelnde Vorfreude im Fußballerherz gepaart mit einer großen Stelze und zahllosen kühlen Blonden, begleitet von engelhaftem Trompetengebläse und lautem Gegröhle – nur gestört von den Pfiffen vorbeiziehender Serbien-Fans. Der Prater hatte sich schick gemacht für das womöglich vorentscheidende Duell der Österreicher gegen die Serben, kurz vor Anpfiff verlagerte sich das Geschehen ins wenige hundert Meter entfernte Prater-Oval, wo eine traumhafte Kulisse den Grundstein für einen wunderbaren Abend legen sollte. Doch der Traum wurde zum Alptraum, das böse Erwachen nach nur wenigen Minuten…

48.500: Die Europhorie – verstärkt durch den Frankreich-Sieg, nicht einmal gemindert durch die Blamage von Torshavn – trieb tausende Österreicher ins Stadion. Die probten gemeinsam mit „Vorsinger“ Andy Marek schon vor Anpfiff die Welle, die Stimmung einzigartig. Da wurde ein gewonnener Zweikampf ebenso frenetisch bejubelt wie der Anlauf des Kapitäns zum Freistoß – man wurde ja genügsam als österreichischer Fußballfan in den letzten Tagen. Genügsam agierte leider auch die Mannschaft, die den Akt des Zweikampfes als nicht notwendig erachtete und schon stands 0:3. Daheim. Vor vollem Haus. Nach nicht einmal einer halben Stunde.

Jene Familienväter, Gelegenheitsbesucher, Ahnungslose, zum Besuch gezwungene, die vor wenigen Minuten noch gemeinsam mit dem harten Kern der Fans immer wieder „Immer wieder Österreich“ skandierten, pfiffen bereits nach einem Drittel der Spielzeit auf Österreich. Die ersten verließen das Stadion, erledigten geruhsam ihren WC-Besuch oder fröhnten dem gar nicht so köstlichen 0,0-Bier, versäumen konnte man bei der Leistung der Österreicher ja ohnehin nichts…

So war es auch nicht verwunderlich, dass es bis auf die „Srbija“-Rufe der Gäste ziemlich still wurde im weiten Ernst-Happel-Stadion, lediglich gestört durch gellende Pfiffe für die österreichische Nationalmannschaft zur Pause. Als Janko viel zu spät den Anschlusstreffer erzielte, kam nur mehr ein wenig Stimmung auf, hatte der genervte österreichische Fußball-Fan ja schon viel früher das Weite gesucht.

Das österreichische Nationalteam hatte an diesem Abend nicht nur die wahrscheinlich letzte Chance auf eine erfolgreiche WM-Qualifikation, nein, es hatte auch die letzte Gunst der Fans verspielt!

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~ von hofaj - Oktober 16, 2008.

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