1:1 – eine Ursachenforschung


Nachdem der ORF am gestrigen Sonntag zur herrlich uninformativen Stimme von Thomas König noch einen drauf legte und Herbert „Schneckerl“ Prohaska co-kommentieren lies und als Extrazuckerl sogar bewegte Bilder zum Ton zeigte, lässt sich die Schmach des österreichischen Teams mit dem 1:1-Unentschieden gegen die Färöer auch leistungstechnisch analysieren. Ein Versuch, die Ursachen für einen katastrophalen Gesamtzustand des ÖFB-Teams aufzudecken.

Ob 4-1-4-1, 3-4-3, 4-4-2 oder sonst eine taktische Formation: Bei jedem Spiel versucht das österreichische Nationalteam wieder, mit besonders brillanten taktischen Vorgaben Gegner wie auch eigene Fans zu überraschen. Fakt ist aber, dass das Team – egal in welcher Formation – mit Taktik nicht viel am Hut hat. Da fehlt einfach das Fundament einer qualitatitv hochwertigen Grundausbildung, daher sind auch Spielelemente wie „Doppelpass“, „Seitenverlagerung“, „Pressing“ und Aktionen wie „den Gegner kommen lassen“, „doppeln des Gegners bei Ballverlust“ oder „Erzwingen einer Überzahlsituation“ leider Mangelware und vielmehr oft nur Produkt des Zufalls. Passen dann auch Einsatz, Kampfgeist und Leidenschaft nicht, geht das gesamte Team – nicht nur im Atlantik – baden. Was jahrelang in der Nachwuchsarbeit versäumt wurde, lässt sich auch durch einen Taktikkenner – wie Karel Brückner zweifelsohne einer ist – in wenigen Wochen nicht beheben.

Neben diesem höchst auffälligen Missstand kämpft das ÖFB-Team zudem schon seit Jahren mit dem Fehlen einer richtigen Führungsperson. Weder Ivanschitz, noch Stranzl, Pogatetz oder auch Scharner (vermutlich auch, weil noch nicht lange wieder dabei) haben es bisher geschafft, die Mannschaft und das Spiel an sich zu reissen, die Burschen in einem Spiel wie am Samstag aufzuwecken, einmal einen Brüller loszulassen und das Team auf die Siegerstraße zu führen. Ivanschitz ist ein braver Schwiegersohn, aber mehr nicht, Stranzl kämpft mehr mit sich selbst und Pogatetz freut sich eher über ein hartes Tackling denn über den mannschaftlichen Erfolg. Kapitän, wo bist du?

Mehr als ein Dutzend an Torchancen, zwei Stangenschüsse und ein Spiel wie auf einer schiefen Ebene: Das österreichische Team vermochte es nicht, das Plus an Ballbesitz und Torchancen in Erfolge umzuwandeln. Wer auf internationalem Niveau aus 10+ Torchancen nur ein Tor macht, dem ist die nötige Klasse leider auch nicht anzuerkennen. Zu wenig Abgebrühtheit oder auch der fehlende letzte Zug zum Tor zeichnen die österreichischen Stürmer samt ihrer Hinterleute schon seit vielen Spielen aus, so wird das mit dem Tore schießen auch in Zukunft eher ein Zufallsprodukt denn geplante Aktion werden.

Das Licht am Ende des Tunnels ist kaum zu erkennen, denn selbst das so erfolgreiche U21-Team (mit 14 Spielen in Serie ohne Niederlage) wie auch das U20-Team (das immerhin in einem tollen Spiel ein 0:1 gegen Deutschland drehte) werden noch einige Jahre brauchen, um erfolgreich in das A-Team integriert zu werden. Und selbst dann ist nicht gewiss, ob sie nicht auch der gute, alte Österreichkomplex des Verlierers ereilt…

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~ von hofaj - Oktober 13, 2008.

5 Antworten to “1:1 – eine Ursachenforschung”

  1. Zustimmung in allen Punkten, sehr gut analysiert.

    In Deutschland sind wir eine Lachnummer, das hab ich gestern am eigenen Leib zu spüren bekommen. Irgendwann wird auch Brückner klar werden, dass Kienast prinzipiell und Ivanschitz in dieser Form nichts im Team verloren haben. Gottseidank haben wir noch so Kaliber wie Koachim Standfest auf der Bank sitzen…

  2. Meiner Meinung nach hat man einfach wieder gut gemerkt dass unsere Jungs aus dem Nationalteam nicht Profi genug sind um mit Druck umzugehen. Gegen Frankreich waren wir klarer Aussenseiter, und uns wurden eigentlich wenig bis gar keine Chance zugestanden, aber trotzdem haben wir gewonnen, auch wenn ein bisschen Glück dabei war.
    Bis zum darauffolgenden Mittwoch hatten die Medien und viele Leute viel Zeit um unser Nationalteam in den Himmel zu loben und ihnen alles zu zu trauen. Schon lastete wieder Druck auf ihnen, Sie „mussten“ gewinnen, weil man es erwartete -> Litauen vs. Österreich 2:0!!
    Am Samstag sahen wir das selbe in Grün.
    Der Druck:
    Die letzte Niederlage gegen Faröer und dass man sich das nicht noch einmal erlauben kann.
    Immer wenn unsere Jungs unter Druck stehen, dann schaut es aus als ob sie das erste Mal in ihrem Leben auf einem Fußballplatz stehen und noch nie einen Ball mit dem Fuß gespielt hätten.
    Naja, laut „meiner“ Logik müsste jetzt theoretisch wieder ein ganz lockeres Spiel gegen Serbien gelingen, da wir ja jetzt wieder überall unten durch sind, und keiner mehr mit uns rechnet. Aber ich glaube dass der Druck nachwievor zu groß ist, da es ja jetzt überall heißt dass wir gewinnen müssen um noch mitzuspielen.
    Ich bin am Mittwoch auf jeden Fall im Stadion und werde mir das Spiel gegen Serbien live geben. Ich hoffe es lohnt sich!
    greetz

  3. stimmt sicher, dass der Druck einen gewissen Anteil am Misserfolg hat.

    Allerdins: wir haben einige Spieler (Ivanschitz, Scharner, Pogatetz, Stranzl, Fuchs, Harnik usw.) in weitaus größeren Ligen, wo auch der Druck der Medien umso höher ist – deswegen frage ich mich, warum die sich dann immer halb in die Hosen machen wenn’s um was geht?!

  4. Ich glaube das es eine etwas andere Situation ist als bei den Klubs. Ausserdem bin ich noch immer der Meinung das wir im Nationalteam nur 2 Spieler haben, die wirklich die Nerven bewahren können: Pogatetz und Stranzl. Jetzt ist mit Paul Scharner noch ein dritter hinzugekommen, der eventuell auch die nötige Reife hat. Alle anderen Spieler sind in meinen Augen „Vaserln“ wenns um was geht! Ein Ivanschitz ist schon alleine vom Reifefaktor nicht soweit um die Kaptiänsrolle zu spielen und somit in hektischen und druckvollen Situationen kühlen Kopf zu bewahren. Das ist aber eine andere Geschichte. Aufjedenfall ist meine Meinung, dass für das Nationalteam noch ein weiter, vor allem mentaler Weg zu bestreiten ist um wirklich auch die nötige Konstanz in einer Qualiphase aufzubringen.
    greetz

  5. hast absolut recht! wie hat oliver kahn so schön gesagt? „eier, wir brauchen eier!“

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