Der Unterschied heißt Effizienz


„Austria stuns France in qualifier“ (Sports Illustrated), „Österreich setzt den Paukenschlag“ (Kicker), „Österreich schafft Sensation“ (Sportbild), „Francia se estrelle contra una eficiente Austria“ (Marca): Die Schlagzeilen der internationalen Fachmedien gehören heute den Österreichern.

Trotz des Jubels über den Sensationssieg lohnt es sich, in Ruhe und ganz nüchtern den gestrigen Fußballabend zu betrachten. Vor allem im Kontext zur jüngsten Vergangenheit und zur nahen Zukunft ergeben sich interessante Überlegungen:

1) Gibt es tatsächlich so etwas wie einen Trainereffekt? Die Chancen, die unser Team unter Hickersberger en masse verjuxt hat (man denke an die Spiele gegen Deutschland im Frühjahr, Niederlande, Kroatien und Polen – alle im Jahr 2008), braucht es unter Brückner anscheinend gar nicht mehr. Wie aus dem nichts erzielte das Team fünf Tore gegen Italien (Weltmeister!) und Frankreich (Vizeweltmeister!). Effizienter wie Österreich unter Brückner könnten nicht einmal die Deutschen sein. Denn besser als zuletzt unter Hickersberger spielen die Österreicher zurzeit auch nicht. Ist es also Glück? Oder konnte Trainerfuchs Brückner den Kickern sofort jene Siegermentalität einimpfen, die unter Hickersberger völlig fehlte?

2) Das Jahr 2008 hätte für Österreichs Fußball ein legendäres, wenn nicht gar historisches werden können. 6. Februar: Österreich verliert gegen Deutschland mit 0:3, war aber 60 Minuten lang das bessere Team und vergab unzählige Topchancen. 26. März: Das 3:4 gegen die Niederlande wird wohl niemand so schnell vergessen. Eine 3:0-Führung herzuschenken grenzt an Fahrlässigkeit. 20. August: Gegen Weltmeister Italien führte unser Team sensationell mit 2:0. Zwei Eigentore vereitelten einen längst überfälligen Sieg. Zudem kommen die bei der Heim-Europameisterschaft vergebenen „Jahrhundertchancen“ (die Hunderprozentigen gegen Polen, die schwache deutsche Elf etc.). Man muss gar nicht vermessen sein, um festzustellen: Wir hätten heuer mit Deutschland, Niederlande, Italien und Frankreich fast die gesamte Elite des europäischen Fußballs schlagen können.  

3) Rückblick ins Jahr 2004: Österreich startete mit einem (glücklichen) Heim-2:2 gegen England in die Qualifikation für die WM-Endrunde in Deutschland. Sofort wurde Krankls Elf in den Himmel gelobt. Es folgte ein 2:0-Heimsieg gegen Aserbaidschain. Doch danach war’s vorbei mit der Euphorie: 1:3 zu Hause gegen Polen, 3:3 in Nordirland („irre regulär“): der Anfang vom Ende. Es sollte uns eine Lehre sein.

4) Was besser als der 3:0-Sieg von Litauten in Rumänien hätte gar nicht passieren können. Nun unterschätzt keiner mehr die Balten. Im Gegenteil: Auswärts sind wir sicherlich – trotz des gestrigen Sieges – nicht der Favorit. Die Chancen stehen maximal 50:50. Nicht auszudenken, hätte Rumänien 3:0 gewonnen. 8 Millionen geheime Teamchefs und die Medien hätten die drei Punkte in Marijampol bereits fix eingeplant.

Trotz aller Warnungen vor überzogener Euphorie: Das gestrige Spiel war Balsam für die geschundenen österreichischen Fußballseelen. Dekuij, Karl.

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~ von jackoby - September 7, 2008.

Eine Antwort to “Der Unterschied heißt Effizienz”

  1. ich glaube weniger an den Trainereffekt, sondern einfach daran, dass Brückner die Mannschaft taktisch um einiges besser eingestellt hat als Hicke!

    Auch wenn man vorsichtig sein sollte, aber die gestrige Partie lässt auf bessere Zeiten hoffen! 🙂

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