Fußballer haben keine Doppelbelastung!


Überschriften mit Ausrufezeichen sind normalerweise dem Boulevard vorbehalten, also Publikationen wie „Krone“, „Grazer“ oder „Sportwoche“. Aber in diesem Fall muss ich zu diesem stilistischen Mittel greifen. Denn: Die Selbstbemitleidung österreichischer Profifußballer sollte endlich ein Ende haben.

Nach dem heutigen Bundesliga-Spiel zwischen Sturm und Austria (Endstand eines schwachen Sommerkicks: 0:0) geisterte wieder die ominöse „Doppelbelastung“ durch die Wortspenden von Moderatoren, Trainer und Spieler. Gemeint ist damit schlicht, dass neben der normalen Bundesliga- (zur Erinnerung: 36 Spiele in 365 Tagen) und (heuer wieder) Cup-Verpflichtung (maximal fünf Spiele) auch Europacup-Partien zu bestreiten sind. Jene Mannschaften, die sich in der Saison davor noch tierisch über den Einzug in die Champions League-und UEFA Cup-Qualifikation gefreut haben, jammern wenige Monate später über diesen Umstand – bevorzugt wenn es gilt, schwache Bundesliga-Leistungen rechtzufertigen.

Aber stellen diese vier bis acht (viel mehr schafft kaum ein österreichischer Verein) zusätzlichen Partien wirklich so eine große Belastung dar, dass man von einer Verdoppelung sprechen kann? Meiner Ansicht nach auf keinem Fall. Unter Doppelbelastung verstehe ich etwas anderes:

  • Wenn jemand zwei oder drei McJobs braucht, um über die Runden zu kommen.
  • Wenn eine alleinerziehende Person neben einem Full-Time-Job auch noch Kinder großziehen muss.
  • Wenn neben den beruflichen Verpflichtungen ein Familiemitglied zu pflegen ist.
  • Wenn Studenten sich – zusätzlich zum Noten- und Zeitdruck – ihr Studium vollständig selbst finanzieren müssen.
  • Wenn Topathleten in Randsportarten kein Profidasein genießen dürfen, sondern täglich stundenlang an den Verwirklichungen ihrer Amateur-Träume arbeiten.

Davon ist ein Fußballer in der österreichischen Bundesliga weit entfernt. Sturm-Coach Franco Foda schätzt die wöchentliche „Arbeitszeit“ seiner Kicker auf rund 20 Stunden, inklusive Matches (Quelle: Der Grazer vom 3. August 2008). Der Deutsche gibt in diesem Artikel auch freimütig zu, dass seine Kicker über ungewöhnlich viel Freizeit verfügen. Sturm dürfte dabei nicht viel anders sein wie jede andere österreischische Bundesligamannschaft.

Nun sofort von einer Doppelbelastung zu sprechen, wenn eine englische Woche ansteht, ist ein Affront gegenüber den oben aufgelisteten Gruppen. Vielleicht sollten darüber die Kicker mit ihren gut bezahlten Traumjobs einmal nachdenken.

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~ von jackoby - August 3, 2008.

Eine Antwort to “Fußballer haben keine Doppelbelastung!”

  1. genau so ist es! Und hätte man die Spielkalender ordentlich geplant, müsste man nicht einmal 2 Spiele pro Woche haben…

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