Budapester „Fight Night“


„Ein Wunder, dass es keine Toten gab.“ So beschreibt ein Sturmfan, der Augenzeuge der unglaublichen Vorfälle im Kispest-Stadion war, die Situation beim UI-Cup-Spiel zwischen Honved Budapest und Sturm Graz am letzten Samstag. Für Chancentod lässt er die Vorfälle nochmals Revue passieren und stellt uns seine Fotos exklusiv zur Verfügung.

Die Heimtribüne im Kispest-Stadion

Die Heimtribüne im Kispest-Stadion

gute Stimmung zu Beginn

Sturm-Fans: gute Stimmung zu Beginn

Sieben Tage sind seit dem „Skandalspiel“ von Budapest vergangen. Die UEFA beschäftigt sich bereits mit dem Fall, hohe Strafen sind wahrscheinlich. War in den ersten Meldungen am letzten Samstag noch von „Randalen der Grazer Fans“ die Rede (ORF Teletext, ca. 22.15 Uhr), wurde wenig später auf „Randale im Grazer Sektor“ (ORF Teletext, ca. 23.30 Uhr) revidiert. Am nächsten Tag lautete die Headline auf ORF.at: „Polizei: ‚Ordner prügelten Sturmfans'“

Ungarischer Ordner, noch friedlich

Ungarischer Ordner, noch friedlich

Auch wenn unser Gesprächspartner, der verständlicherweise anonym bleiben möchte, ein „Erzschwarzer“ ist, muss er zugeben: „Im Stadion haben die Schwarzen natürlich provoziert, aber auch nicht mehr als sonst.“ Aber auch die Ordner provozierten: „Sie haben Sachen zu uns in den Sektor geworfen und eindeutige Gesten gegen uns gerichtet.“ Nachdem drei bengalische Feuer in Richtung Spielfeld geflogen waren, marschierte die Security-Truppe auf und stürmte den Sektor von hinten.

Ein bengalisches Feuer aus dem Grazer Sektor verbrutzelt am Spielfeld.

Ein bengalisches Feuer aus dem Grazer Sektor verbrutzelt am Spielfeld.

ein weiteres bengalisches Feuer

Auslöser der Randale: ein weiteres bengalisches Feuer

Die Schlägertruppe marschiert auf ...

Die Schlägertruppe marschiert auf ...

Laut unserem Sturm-Fan war die ursprüngliche Intention dieser Schläger-Truppe, die Werfer der Feuerwerkskörper zu „schnappen“. Dabei gingen sie aber mit äußerster Brutalität vor. „Ohne Rücksicht stürmten sie den Sektor und wollten sich nach vor zu den Werfern durcharbeiten. Dabei wurden andere, unbeteiligte Fans brutal zur Seite gestoßen und geschlagen.“ Es sollte wohl eine Machtdemonstration der Sicherheitskräfte werden. Die Sturm-Fans ließen sich das natürlich nicht gefallen: Die wilde Massenschlägerei begann.

Machtdemonstration und Provokation

Machtdemonstration und Provokation

Man beachte den blutigen Security-Capo.

Man beachte den blutigen Security-Capo.

Chaos brach aus: Sessel wurden von beiden Kampfparteien aus der Verankerung gerissen, man drosch aufeinander ein. Unser Augenzeuge: „Ich bin als einer der ersten aus dem Sektor geflüchtet und habe das Chaos von hinten verfolgt bzw. fotografiert.“

Ohne Worte

Ohne Worte

Chaos und Angst

Chaos und Angst

Aus allen Richtungen kamen auf einmal „Ordner“. Ihre Attacken beschränkten sich nicht auf den gerne zitierten „gewaltbereiten Kern“ der Sturm-Fans, die sich der Konfrontation durchaus stellten. „Sie haben auf alle wie wild einschlagen, egal ob Kind oder Pensionist. Auch auf jene, die bereits am Boden lagen.“ Die Waffen waren Sitze, Totschläger, Messer, sowie laut Medienberichten auch mit Billardkugeln gefüllte Socken.

Gewaltige Aggressionen

Gewaltige Aggressionen

die spitzen Teile der ausgerissenen Sitze.

Verschwommen, aber erkennbar: Ein Sturm-Fan wird von einem Ordner die Stiege runtergeworfen. Er prallt mit dem Hinterkopf wuchtig auf. Zusätzlich gefährlich: die spitzen Teile der ausgerissenen Sitze.

Die meisten Sturm-Fans hatten panischeAngst. „Auf der Flucht bin ich alle paar Meter an jemandem vorbei gekommen, dessen Gesicht völlig blutig war.“ Die zuerst abwartende Polizei trieb die Sturm-Fans schließlich in eine Ecke außerhalb des Sektors. Als sich dort die Situation gerade beruhigt hatte, wurde auf einmal Tränengas eingesetzt. Das Chaos wurde so prolongiert.

die ungarische Polizei

Vorerst seelenruhig und filmend (!): die ungarische Polizei

Ein verletzter Grazer wird von anderen Sturm-Fans versorgt.

Ein verletzter Grazer wird von anderen Sturm-Fans versorgt.

Entsetzen nach der "Schlacht"

Entsetzen nach der "Schlacht"

Die für unseren Gesprächspartner schlimmste Aktion: Die ersten Rettungskräfte trafen erst 25 Minuten (!), nachdem die „Schlacht von Budapest“ begonnen hatte, ein. Jedoch: „Die Ordner haben sich demonstrativ und geschlossen aufgebaut und wollten die Rettung vorerst nicht zu den Verletzten durchlassen.“

Ruhe im neuen Auswärtssektor

Ruhe im neuen Auswärtssektor

Erst im neuen Sektor war das Chaos zu Ende. Schließlich konnte – wenn auch verhalten – noch ein 2:1-Erfolg und der Aufstieg in die dritte Qualifikationsrunde des UEFA-Cups bejubelt werden.

Doch die bangen Momente waren noch nicht vorbei: „Nach dem Spiel erwartete uns die versammelte Mannschaft von Polizei und Ordner.“ Die Grazer Fanpolizisten regelten den Abgang: „Einzeln fuhren Taxis bis zur Stadionabsperrung und einige Sturm-Fans stiegen ein. Erst als das nächste Taxi direkt vor der ‚Haustür‘ stand, durften die nächsten Zuseher das Stadiongelände verlassen.“ An den ungarischen Sicherheitskräften wollte keiner mehr vorbei …

Freundliches Empangskomitee nach Spielende

Freundliches Empfangskomitee nach Spielende

Das tatsächliche Ausmaß der „schwarz-weißen“ Mitschuld an den Budapester Ausschreitungen lässt sich – zuminest bislang – schwer abschätzen. Dass „Deeskalation“ im Wortschatz der ungarischen Security nicht vorkommt, darüber besteht seit letztem Samstag aber kein Zweifel.


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~ von jackoby - August 2, 2008.

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