In der Schussbahn der Ganoven – Karel Brückner


Es ist beinahe so wie im ersten Band von Karl Mays „Winnetou“: „Klekih-petra“, ein ergrauter 1848er, verlässt Deutschland und geht in den Wilden Westen der USA. Dort trifft er auf den Apachen-Häuptling Winnetou und dessen Vater Intschu-tschuna und fungiert als Vermittler zwischen Indianern und Ganoven. Als man auf Winnetou schießt, wirft sich „Klekih-petra“ in die Flugbahn der Kugel, fängt das Projektil ab und stirbt wenig später. So rettet der „Weiße Vater“, was „Klekih-petra“ übersetzt bedeutet, dem Apachen-Häuptling das Leben.

Wenn Nomen tatsächlich Omen ist, dann ist Karel Brückners Weg wohl vorgezeichnet – immerhin lautet sein Spitzname wegen seiner äußerlichen Erscheinung „Klekih-petra“. Nur soll Brückner nicht Winnetous Leben retten, sondern den österreichischen Fußball reanimieren. Ob es ihm zuzutrauen ist? Ohne Frage.

Genügend Erfahrung hat Brückner zweifelsohne. Der junge Karel erblickt am 13. November 1939 in Olomouc (Tschechien) das Licht der Welt – eine Stadt, der er lange Zeit die Treue halten wird. Ab 1957 zerreißt er sich 15 Jahre lang die Schuhe für Sigma Olomouc, ehe er 1972 zu Banik Ostrava wechselt. Nach einer Saison hängt der als Fußballer eher erfolglose 35-Jährige seine Schuhe an den Nagel und kehrt als Trainer nach Olomouc zurück.

wikipedia.org)

Karel Brückner bei der Arbeit (Bild: wikipedia.org)

Unter Brückners Regie steigt der damals nur viertklassige Verein 1974 in die ČNL B, die dritte Liga, auf. Brückner wechselt danach mehrmals den Klub, jedoch scheint es so, als wäre Sigma total von „seinem“ Trainer abhängig – so kehrt der Erfolgs-Coach immer wieder in seine Heimat zurück. In die Brückner-Ära bei Olomouc fallen insgesamt zwei Aufstiege und die tschechische Vizemeisterschaft 1996.

1998 unterschreibt Brückner beim tschechischen Fußballverband, wo er die Verantwortung für das U21-Team übernimmt. 2001 wird er schließlich A-Teamchef und führt sein Team ins Semifinale der EURO 2004, sowie in zur WM 2006 und zur EM 2008. Nach dem mageren Abschneiden der Tschechen in Österreich un der Schweiz und dem Aus in der Vorrunde wird der Vertrag des Trainer-Fuchses nicht mehr verlängert.

Seit heute weiß Fußball-Österreich, dass die graue Eminenz des tschechischen Fußballs nun aber ausziehen wird, um das rot-weiß-rote Herz des europäischen Kontinets zu erobern. Hierzulande erwarten ihn labile ÖFB-Häuptlinge und zahlreiche Bundesliga-Ganoven, zwischen denen es zu vermitteln gilt. Bleibt nur zu hoffen, dass „Klekih-petra“ nicht zu oft ins Kreuzfeuer der ÖFB-Landeschefs gerät und dennoch dem Österreichischen Fußball das Leben rettet.

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~ von Stoffl - Juli 25, 2008.

Eine Antwort to “In der Schussbahn der Ganoven – Karel Brückner”

  1. […] auf den neuen Teamchef Karel Brückner oder “Klekih-petra” (siehe Artikel “In der Schussbahn der Ganoven“). Die Attentäter sind keine Unbekannten […]

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