Wettskandal? Aber nicht bei uns!

•Februar 9, 2013 • 3 Kommentare

Giovanni Trapattoni und der Journalisten Mikrofone – eine vom Zweck geprägte, der Komik gewidmete, Dauerbeziehung. So auch im Rahmen des Länderspiels Irland vs. Polen, als sich „Trap“ wieder einmal weit aus dem medialen Fenster lehnte und mit folgender Aussage zum aktuell debattierten Wettskandal für Aufregung sorgte:

„Ich dachte mir: Die sind entweder Idioten oder sie stehen unter Drogen oder sie haben das Spiel verkauft, aber dafür habe ich natürlich keine Beweise.“

Gemeint: Seine eigenen Spieler bei Red Bull Salzburg, die im März 2008 vor eigenem Publikum sang- und klanglos gegen den SK Rapid mit 0:7 unter die Räder gerieten. Ein Sager, ein Aufschrei. Die internationale Presse entschied sich dafür, die Optionen „Idioten“ und „Drogen“ auszuklammern und fokussierte sich auf den in den Raum geworfenen Wettbetrug.

So auch Österreichs mächtigstes Printblatt, die „Kronen Zeitung“, das in der heutigen Ausgabe auf einer Doppelseite die Vorwürfe auf die Agenda hob. Die komplette Riege der Bundesliga-Trainer wurde zu Wort gebeten, das Resultat war inhaltlich zum Großteil der Anlass für diesen Aufschrei.

Roger Schmidt, Salzburg-Coach, meinte: „Solange nichts bewiesen ist, möchte ich dazu nicht viel sagen.“ Tat das im nächsten Satz entgegen seiner Ankündigung dennoch: „Ich bin aber überzeugt, dass 99,9 Prozent aller Fußballspiele korrekt und sportlich fair über die Bühne gehen.“ Woher diese Überzeugung kommt, blieb unbeantwortet. Im aktuellen von der Europol aufgedeckten Wettskandal leichtfertig mit Zahlen um sich zu werfen, halte ich für gefährlich; vor allem da eine Schmidt’sche Vermutung von 99,9% sauberer Spiele nahe legt, dass das Problem eigentlich gar keines ist. Nebensatz: Pauschal heruntergespielt hat die Thematik auch FIFA-Boss Sepp Blatter, der nur 0,04 Prozent aller Spiele manipuliert sieht. Fraglich, wie Schmidt als auch Blatter geantwortet hätten, hätte man sie vor den Europol-Enthüllungen zum Prozentwert manipulierter Spiele befragt.

Leichtfertig, da das Problem scheinbar nicht zur Gänze Ernst nehmend, antwortete auch Rapid-Trainer Peter Schöttel in der „Krone“: „Mag sein, dass in unteren Ligen die Versuchung größer ist. In der Bundesliga kann ich es mir nicht vorstellen.“ Autsch. Denn: Europol-Ermittlungen zeigen, dass sowohl WM- und EM-Qualifikationsspiele als auch Champions League-Partien vom Wettskandal betroffen sind. Da konterkarieren Schöttels Aussagen die Enthüllungen doch ein wenig.

"Krone" vom 9.2.2013

Gänzlich an das weiße Trikot im Fußball glaubend gibt sich Ried-Coach Angerschmid: „Ich glaube zwar, dass es vor allem in südlichen Ländern Spielmanipulationen gibt – aber nicht bei uns.“ Klischee bedient, setzen Nicht Genügend. Die bisher höchste Zahlung an eine Einzelperson soll laut Europol nach Österreich geflossen sein. Die Partie Red Bull Juniors vs. Hartberg soll laut Europol-Ermittlungen den europaweit höchsten Profit abgeworfen haben. „Südliche Länder“ sehen anders aus.

Sämtliche Anschuldigungen will auch Heimo Pfeifenberger, Wr. Neustadt-Coach, nicht wahrhaben: „Ich hab das Spiel in Salzburg damals live gesehen. Es war nicht geschoben.“ Im Sinne des Sports möge diese Aussage hoffentlich zu 100% richtig sein. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass Pfeifenberger auf der Tribüne sitzend ein sauberes von einem geschobenen Spiel zu unterscheiden mag. Andernfalls sollte die FIFA über ein Pfeifenberger-Engagement als Chefaufdecker nachdenken…

Was bleibt, ist ein fahler Beigeschmack ob der getätigten Aussagen, die eine Verklärung der Sachlage nahe legen. Typisch österreichisch: Alles nicht so schlimm, wird schon gut gehen. Es wird jedoch schwer ein Problem zu bekämpfen, welches manche in der offenbarten Dimension so gar nicht wahrhaben möchten.

Linktipps:

derstandard.at: Staatsanwaltschaft Graz ermittelt gegen 20 Verdächtige

spiegel.de: Wo Fifa und Uefa beim Wettbetrug versagt haben

zeit.de: Bosbach verlangt bei Wettskandal Nennung der Vereine und Spiele

faz.net: Wetten, dass im Fußball krumme Dinger laufen?

zdf.de (ab Minute 30:30): Ex-Fußballprofi René Schnitzler bei Markus Lanz

sueddeutsche.de: „Europa demontiert die Fifa-Reform“

interwetten.com: Die Wahrheit über den Wettskandal

Größenwahn

•Mai 9, 2012 • 2 Kommentare

Wenn der Fußballgott (nicht der 11er-Hofmann aus Wien-West, sondern jener, der vorab der Geburt entscheidet ob aus den Stängeln unterhalb des Beckens reine Gehinstrumente oder gefühlvolle Bananenschlenzer werden) einen nicht mit Talent segnet, so ist das grundsätzlich Schade. Schätzungen zur Folge passiert das fast 70.000 neugeborenen Österreichern jedes Jahr. Jene, die dieses Schicksal erteilt, und trotzdem aus ihren ballunliebenden Haxen etwas machen, agieren in der Unterzahl. Sie sind Ausnahmeerscheinungen. Kämpfer. Sich gegen die ballverherrlichende Zunft durchsetzende Arbeiter. Arbeiter wie Stefan Maierhofer.

Dann kannst du dich als Kicker im Himmel wähnen. Egal ob im deutschen Zweitliga-, englischen Premier League- oder österreichischen Bundesligahimmel. Leistung ohne per se vorhandenem Talent bleibt Leistung. Diese zu überschätzen, ist allerdings fahrlässig. Denn aus nichts viel zu machen und selbst das noch überbieten zu wollen, grenzt an Größenwahn. Siehe Maierhofer. Warum? Erklärung folgt.
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Marcel Koller: Ein Appell

•Oktober 4, 2011 • 1 Kommentar

Die Würfel sind gefallen, die Entscheidung getroffen: Seit heute 13 Uhr burgenländischer Zeitrechnung steht definitiv fest, dass der Schweizer Marcel Koller der künftige Trainer des ÖFB-Nationalteams sein wird und Willi Ruttensteiner den starken Mann an seiner Seite mimt. Doch wie so oft in Österreich wurde der öffentliche Galgen schon errichtet und der Knoten geknüpft, bevor der Betroffene überhaupt vor dem Richter erscheinen konnte…
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Die Scheinheiligkeit des Didi Constantini

•August 28, 2011 • Schreibe einen Kommentar

Es war ruhiger geworden um ÖFB-Teamchef Didi Constantini, dem seine Assistenten Manfred Zsak und Franz Wohlfahrt mit dem mittlerweile international medial begutachteten „Trottel-Sager“ eine vermutlich nicht unwillkommene, wenn auch ungewollte, Rückendeckung verschafften. In den Kritiken gingen jene am Teamchef selbst leider unter, dabei zeigte dieser nun erneut wie sehr ihm der Fokus auf das Wesentliche fehlt.
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Didi Constantini in „Eine Frage der Ehre“

•August 24, 2011 • Schreibe einen Kommentar

Man mag ÖFB-Teamchef Didi Constantini mögen, oder auch nicht. Man mag seine Kaderentscheidungen unterstützen oder auch kritisieren. Ivanschitz zurück und Arnautovic nie wieder – oder auch umgekehrt. Man mag seine Arbeitsweise lieben oder auch verteufeln. Alles legitim, denn ein offener Diskurs fördert in der Regel eine positive Entwicklung.

Zu verantworten jedoch hat das alles nur einer, nämlich Didi Constantini selbst. Ob Kader, Aufstellung oder Taktik: Der Teamchef ist in seiner Position für den Erfolg und Misserfolg des Nationalteams verantwortlich. Und er hat in Ausübung dieser eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit.

Doch gerade darin tut sich Constantini schwer, zieht es vor den grantelnden Herren an statt des erklärenden Reformers zu spielen. Dann wäre vielleicht die ein oder andere Entscheidung auch nachvollziehbar, wenn eine Erläuterung von Constantini dazu kommen würde. Tut es aber nicht.

Viel schlimmer: Constantini gestaltet seine Auftritte von Mal zu Mal lächerlicher, gipfelnd in einer abgebrochenen Pressekonferenz zur Kadereinberufung. Vorausgegangen war die Feststellung eines 90minuten.at-Journalisten, dass sich Verteidiger in einer nicht organisierten Abwehr nicht wohl fühlen würden.

Dabei hätte er genau nun die Chance gehabt, mit einer fundierten Antwort seinen eigenen Schopf aus dem Taktik-Sumpf zu ziehen. Seine Entscheidungen zu begründen, Antworten zu liefern. Er tat es nicht, und er wird es wohl auch künftig nicht tun.

So pfeift er demonstrativ auf fällige Rechtfertigungen und vergisst seine Verantwortung. Setzt mit ungebührlichem Verhalten noch einen drauf. Eigentlich eine Frage der Ehre. Genauso wie der Rücktritt nach diesen Ereignissen eine Frage der Ehre wäre.

Abseits im Weinviertel: USV Hauskirchen vs. FC Wilfersdorf

•August 8, 2011 • Schreibe einen Kommentar

Groundhopping in der Heimat. Am Plan stand der Meisterschaftsauftakt des USV Hauskirchen gegen den FC Wilfersdorf der 2. Klasse Weinviertel Nord. Ungewohnt, aber dennoch ein Leckerbissen: Wenn auch nicht unbedingt ballesterisch, so zumindest atmosphärisch.
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Die Causa „Admira“

•Juli 2, 2011 • Schreibe einen Kommentar

Der Senat 5 der Österreichischen Fußball-Bundesliga hat mit seinem gestrigen Urteil in der Causa „Admira“ einen vorläufigen Schlussstrich gezogen. Neben den Fakten zum Schuldspruch bleibt Interpretationsspielraum, den ich hier nicht ungenützt lassen möchte…
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